denn ein Wesen wie Awdotja Romanowna sich des Geldes wegen einem Unwürdigen hingeben? Folglich mußte auch die-ser Mensch Vorzüge besitzen. Die Sache mit dem Quartier? Ja, woher hätte er denn wirklich wissen sollen, was das für eine Herberge war? Jetzt wollte er doch eine Wohnung ein-richten lassen ... Pfui, wie gemein das alles war! Eine schöne Rechtfertigung: Ich habe im Rausch gesprochen! Nur eine dumme Ausflucht, die ihn noch mehr erniedrigte! Im Wein liegt Wahrheit, und diese Wahrheit war auch rückhaltlos ausgesprochen worden – das heißt, ausgesprochen wurde der ganze Schmutz meines neidischen, brutalen Herzens! Und war denn ein solcher Traum ihm, Rasumichin, auch nur von ferne erlaubt? Wer war er denn im Vergleich mit einem sol-chen Mädchen – er, der betrunkene Krakeeler und Prahlhans von gestern? Ist denn eine so zynische, lächerliche Neben-einanderstellung überhaupt möglich? Rasumichin errötete verzweifelt bei diesem Gedanken, und im selben Augenblick erinnerte er sich plötzlich, als wäre es damit noch nicht genug, wie er gestern den beiden Frauen, als sie auf der Treppe stan-den, gesagt hatte, die Hauswirtin werde seinetwegen auf Awdotja Romanowna eifersüchtig sein ... Das war zuviel. Mit aller Kraft schmetterte er die Faust auf den Küchen-herd, schlug eine Kachel heraus und verletzte sich die Hand.
Natürlich, murmelte er nach einer Minute mit einem sonder-baren Gefühl der Selbsterniedrigung vor sich hin, natürlich kann ich jetzt all diese ekelhaften Dinge niemals mehr ver-tuschen und wiedergutmachen ... es gibt also gar keinen Grund, darüber auch nur nachzudenken. Ich muß den Frauen, ohne ein Wort zu verlieren, gegenübertreten und ... meine Verpflichtungen erfüllen ... ebenfalls wortlos, und ... und ich darf nicht um Entschuldigung bitten und nicht sprechen, und ... und jetzt ist natürlich alles zu Ende!
Trotzdem nahm er, während er sich ankleidete, seinen Anzug kritischer in Augenschein als sonst. Einen anderen Anzug besaß er nicht, und selbst wenn er einen besessen hätte, hätte er ihn vielleicht doch nicht angezogen – gewiß, absicht-lich hätte ich ihn nicht angezogen. Doch auf keinen Fall durfte er ein solcher Zyniker und Schmutzfink bleiben; er