daß wir dir die Wäsche wechseln; denn am Ende sitzt deine Krankheit jetzt nur noch im Hemd ...«

»Laß mich! Ich will nicht!« wehrte Raskolnikow ab, der den gewollt scherzhaften Bericht Rasumichins über den Klei-derkauf voll Abscheu angehört hatte ...

»Das geht nicht, lieber Freund; weshalb hätte ich mir denn sonst die Hacken abgelaufen!« beharrte Rasumichin. »Nasta-sjuschka, schämen Sie sich nicht, sondern helfen Sie mir ... Sehen Sie, so!«

Und trotz Raskolnikows Widerstand wechselte er ihm doch schlecht und recht die Wäsche. Der Kranke fiel auf das Kopf-kissen zurück und sprach etwa zwei Minuten lang kein Wort.

Werden sie mich noch lange quälen? dachte er.

»Von welchem Gelde ist das alles gekauft worden?« fragte er schließlich, während er zur Wand blickte.

»Geld? da ist es ja! Von deinem eigenen Geld. Es war doch heute dieser Bote da; deine Mama hat dir durch Wachruschin Geld geschickt; hast du denn auch das vergessen?«

»Jetzt entsinne ich mich ...« sprach Raskolnikow nach langem, finsterem Grübeln. Rasumichin blickte ihn besorgt und mit gerunzelter Stirn an.

Die Tür öffnete sich, und ein großer, starker Mann trat ein, den Raskolnikow ebenfalls schon irgendwie vom Sehen zu kennen glaubte.

»Sosimow! Endlich!« rief Rasumichin erfreut.

4

Sosimow war ein großer, feister Mensch mit aufgedun-senem, farblos blassem, glattrasiertem Gesicht und hellblon-dem, straffem Haar; er trug eine Brille, und an seiner fetten Hand glänzte ein großer goldener Ring. Er mochte etwa siebenundzwanzig Jahre alt sein. Er trug einen weiten, ele-ganten leichten Mantel und helle Sommerhosen, und überhaupt war alles an ihm weit, elegant und nagelneu; seine Wäsche war tadellos, und er hatte eine massive Uhrkette. Er gab sich langsam, gleichsam schläfrig, und dabei gelehrtenhaft-

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