abermals Raskolnikow, dann wiederum Nikolaj, und plötz-lich fiel er wie ein Besessener über Nikolaj her.
»Was erzählst du mir da ungebeten von deiner sogenann-ten Verblendung?« schrie er ihn beinahe zornig an. »Ich habe dich doch gar nicht gefragt, ob du von Sinnen warst oder nicht ... Sag: hast du den Mord begangen?«
»Ich bin der Mörder ... Ich will ein Geständnis ablegen«, antwortete Nikolaj.
»Ach, ach! Womit hast du sie denn erschlagen?«
»Mit dem Beil. Ich hatte es mir vorher besorgt.«
»Nur langsam, langsam! Warst du allein?«
Nikolaj verstand nicht, worauf Porfirij hinauswollte.
»Hast du den Mord allein begangen?«
»Ja, allein. Mitka ist unschuldig und hat mit dem allem nichts zu tun.«
»Nicht so hitzig mit Mitka! Ach! ... Wie bist du denn da-mals die Treppe hinuntergekommen? Die Hausknechte haben doch euch beide gesehen!«
»Das tat ich, um den Verdacht von mir abzulenken ... Darum bin ich damals ... mit Mitka die Treppe hinunter-gelaufen«, antwortete Nikolaj hastig, als hätte er sich diese Entgegnung schon vorher überlegt.
»Ja, natürlich!« rief Porfirij böse. »Lauter eingelerntes Zeug!« murmelte er halb für sich, und da erblickte er plötz-lich wieder Raskolnikow.
Er war sichtlich so mit Nikolaj beschäftigt gewesen, daß er für einen Augenblick sogar Raskolnikow vergessen hatte. Jetzt besann er sich plötzlich wieder und wurde für einen Augenblick geradezu verlegen.
»Teuerster Rodion Romanowitsch, Sie müssen wirklich entschuldigen«, rief er und eilte auf ihn zu, »das geht nicht ... Ich bitte Sie . . . Sie haben hier nichts zu suchen . . . Ich selber ... sehen Sie, was für Überraschungen es gibt! ... Darf ich Sie bitten ...«
Er nahm ihn bei der Hand und zeigte ihm die Tür.
»Das haben Sie wohl nicht erwartet?« erwiderte Raskolni-kow, der natürlich von all dem nichts begriff, aber trotzdem schon wieder Mut gefaßt hatte.
- 450 -