aber nur für einen ganz kurzen Moment. Seltsam war, daß er sich kaum über Porfirijs Erscheinen wunderte und sich fast nicht vor ihm fürchtete. Er fuhr nur zusammen, war aber rasch, im Nu, wieder gefaßt. Vielleicht ist das die Lösung! Aber wie leise er sich herangeschlichen hat, wie eine Katze! Ich habe nichts gehört! Hat er am Ende gelauscht?
»Sie haben wohl keinen Gast erwartet, Rodion Roma-nytsch«, rief Porfirij fröhlich. »Ich wollte Sie schon lange einmal aufsuchen; jetzt kam ich bei Ihnen vorbei und dachte: Warum soll ich ihm nicht für fünf Minuten guten Tag sagen? Sie wollten gerade weggehen? Ich werde Sie nicht aufhalten. Ich will nur eine Zigarette hier bei Ihnen rauchen, wenn Sie erlauben.«
»So nehmen Sie doch Platz, Porfirij Petrowitsch, nehmen Sie Platz ...« erwiderte Raskolnikow und bot seinem Gast mit einer sichtlich so zufriedenen, freundschaftlichen Miene einen Stuhl an, daß er wahrhaftig über sich selbst gestaunt hätte, hätte er sich sehen können.
Er hatte seine letzten Kräfte zusammengerafft. So ge-schieht es manchmal, daß ein Mensch, der von einem Räuber überfallen wird, eine halbe Stunde der Todesangst durch-lebt; sobald ihm aber das Messer endgültig an der Kehle sitzt, verspürt er plötzlich nicht einmal mehr Furcht. Ras-kolnikow setzte sich Porfirij gegenüber und blickte ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, an. Porfirij kniff die Augen zu-sammen und zündete sich eine Zigarette an.
Nun, so sprich doch schon, sprich doch! schrie es in Raskol-nikow. Warum sprichst du denn nicht? Warum sprichst du nicht endlich?
»Ach, diese Zigaretten!« sagte Porfirij Petrowitsch schließ-lich, als seine Zigarette brannte und er ein wenig verschnauft hatte. »Das Zeug ist schädlich, das reine Gift, aber ich kann das Rauchen nicht lassen! Ich huste; ich kriege keine Luft und keuche. Wissen Sie, ich bin feige; und da fuhr ich neulich zu B. – jeden Patienten untersucht er mindestens eine halbe