antworten und gewiß der Wahrscheinlichkeit halber sagen würde, ich hätte die Arbeiter gesehen, und dabei hätte ich noch irgend etwas zur näheren Erklärung hinzugefügt ...«
»Aber dann wäre er dir wohl sogleich damit in die Parade gefahren, daß du dort zwei Tage früher gar keine Arbeiter hättest sehen können, daß du also gerade am Tag des Mordes um acht Uhr im Hause gewesen sein müßtest. Mit dieser Klei-nigkeit hätte er dich gefangen!«
»Er rechnete eben damit, daß ich nicht rasch genug überlegen und mich beeilen würde, möglichst glaubwürdig zu antworten, und daß ich dabei vergessen könnte, daß zwei Tage früher keine Maler dort gewesen sind.«
»Wie hättest du das vergessen können?«
»Überaus leicht. Mit so unscheinbaren Kleinigkeiten lassen sich schlaue Menschen am allerleichtesten fangen. Je schlauer jemand ist, desto weniger argwöhnt er, daß man ihn mit einer einfachen Frage fangen könnte. Den gerissensten Men-schen muß man gerade mit den einfachsten Mitteln eine Schlinge legen. Porfirij ist keineswegs so dumm, wie du glaubst ...«
»Nach all dem ist er ein Schwein!«
Raskolnikow konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Doch in diesem Augenblick kamen ihm seine eigene Lebhaftigkeit und die Lust, mit der er seine letzte Erklärung vorgetragen hatte, sehr merkwürdig vor, da er doch während des ganzen vorhergehenden Gesprächs einen finsteren Widerwillen an den Tag gelegt und offenbar nur unter dem Zwang der Situation Rede und Antwort gestanden hatte.
Allmählich komme ich auf den Geschmack! dachte er im stillen.
Doch fast im selben Augenblick wurde er mit einemmal unruhig, als machte ihn ein unerwarteter, besorgniserregender Gedanke bestürzt. Seine Unruhe wuchs. Sie waren inzwischen vor Bakalejews Pension angelangt.
»Geh allein«, sagte Raskolnikow plötzlich. »Ich bin gleich wieder zurück.«
»Wohin willst du denn? Wir sind doch schon da!«
»Ich muß weg. Ich muß; ich habe noch etwas zu erledi-