NACHWORT

Im September 1865 schrieb Dostojewski) an den Verleger Kat-kow: »Darf ich darauf hoffen, meine Erzählung in Ihrer Zeit-schrift Russkij Wjestnik unterzubringen? Ich schreibe hier in Wiesbaden daran und werde sie jetzt abschließen. Sie wird fünf bis sechs Druckbögen haben. Mir bleiben noch etwa zwei Wo-chen Arbeit, vielleicht auch mehr. Auf alle Fälle kann ich mit Sicherheit sagen, daß sie in einem Monat, keinesfalls später, der Redaktion des Russkij Wjestnik zugestellt werden könnte.« An-schließend skizzierte er in groben Umrissen Handlung und einige Grundgedanken dieser »Erzählung«.

Dostojewskij befand sich zu der Zeit in einer verzweifelten Lage. Vor seinen Petersburger Gläubigern war er nach Wiesbaden geflohen, nicht zuletzt um sich mit seiner Freundin Polina Suslowa zu treffen. Schließlich gab es in Wiesbaden auch ein Kasino, wo er wieder einmal sein »System« beim Roulette erproben konnte – bald war alles Geld verspielt, das er aus Rußland mitgebracht hatte. Dann ließ ihn auch Polina im Stich, und da saß er nun im Hotel, ringsum verschuldet, der Hotelwirt drohte ihm bereits mit der Polizei...

Katkow und der Russkij Wjestnik waren für Dostojewskij keineswegs die erste Wahl. Seit dem Sommer hatte er sich darum bemüht, seine noch unfertige Erzählung gegen Vorauszahlung in einer Zeitschrift unterzubringen. Die Sankt-Peterburgskije Wje-domosti, die Otetschestwennyje Sapiski, der Sowremennik und die Biblioteka dlja Tscbtenija hatten abgelehnt; niemand hatte das Risiko eingehen wollen, einen nicht abgeschlossenen (oder noch gar nicht geschriebenen?) Text zu akzeptieren, auch nicht den eines damals doch schon bekannten Autors wie Dostojew-skij. Katkow endlich nahm die »Erzählung« an und schickte den so dringend benötigten Vorschuß.

Dostojewskij hatte sein Manuskript aber trotz fieberhafter

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