großem Mißtrauen betrachten, weil ich selber so zartfühlend war und Sie bis jetzt nicht mit Fragen belästigte ... Sie ver-stehen? Das kam Ihnen ungewöhnlich vor; ich möchte dar-auf wetten, daß es sich so verhält. Und da soll man noch taktvoll sein!«
»Und an den Türen horchen!«
»Ach, davon sprechen Sie!« rief Swidrigailow lachend. »Weiß Gott, ich wäre erstaunt gewesen, wenn Sie schließlich
-nicht doch eine Bemerkung darüber gemacht hätten. Ha-
ha! Ich habe zwar einiges von dem verstanden, was Sie da-
mals ... dort ... angestellt haben und was Sie dann selber
Sofja Semjonowna erzählten, aber was hat das letzten Endes
zu bedeuten? Ich bin vielleicht ein ganz rückständiger Mensch
und kann nichts mehr verstehen. Erklären Sie es mir, mein
Teuerster, um des Himmels willen! Erleuchten Sie mich mit
den neuesten Prinzipien!«
»Sie konnten ja gar nichts hören; Sie haben alles nur ge-logen!«
»Aber davon rede ich ja gar nicht, davon rede ich gar nicht
-obwohl ich natürlich doch einiges gehört habe! Nein, ich
meine, daß Sie jetzt so ächzen und stöhnen! Der Schiller in
Ihnen gerät ja jeden Augenblick in Wallung! Jetzt soll man
plötzlich nicht einmal mehr an den Türen horchen! Wenn Sie
dieser Ansicht sind, dann gehen Sie doch hin und melden Sie
der Polizei, die Sache sei die und die, es habe sich dieser und
jener Fall ereignet, in Ihrer Theorie sei Ihnen ein kleiner Irr-
tum unterlaufen. Wenn Sie überzeugt sind, daß man zwar
nicht an Türen horchen, wohl aber alte Weiber mit dem, was
man gerade zur Hand hat, nach Herzenslust totschlagen darf,
dann fahren Sie nur lieber irgendwohin nach Amerika! Flie-
hen Sie, junger Mann! Vielleicht ist noch Zeit dazu. Ich
meine es aufrichtig mit Ihnen. Haben Sie vielleicht kein Geld?
Ich gebe es Ihnen!«
»Ich denke gar nicht daran«, fiel ihm Raskolnikow an-geekelt ins Wort.
»Ich verstehe – übrigens brauchen Sie sich meinetwegen keine Mühe zu geben; wenn Sie nicht wollen, brauchen Sie gar nicht viel zu reden ... Ich verstehe, was für Probleme jetzt in