»Ich verstehe alles, alles!« rief Raskolnikow und war mit einem Satz bei Porfirij. »Du lügst und verhöhnst mich, damit ich mich verrate ...«
»Aber verehrtester, liebster Rodion Romanowitsch, mehr kann man sich doch gar nicht verraten. Sie sind ja ganz blind vor Wut. Schreien Sie nicht, sonst rufe ich Leute!«
»Du lügst, nichts wird geschehen! Ruf nur Leute! Du weißt, daß ich krank bin, und wolltest mich reizen, bis zur Tollheit reizen, damit ich mich verrate ... das war dein Ziel! Nein, zeig mir Beweise! Ich durchschaue das Ganze! Du hast keine Beweise; du hast nur nichtige, dreckige Vermutungen, genau wie Sametow! ... Du kennst meinen Charakter; du wolltest mich in Wut bringen und mich dann plötzlich mit Popen und Deputierten in die Enge treiben ... Auf die war-test du wohl, wie? Worauf wartest du? Wo ist dein Geheim-nis? Her damit!«
»Wie kommen Sie denn auf Deputierte, lieber Freund? Was der Mensch für Ideen hat! Wie Sie sich das vorstellen, mein Lieber, würde es ja allen vorgeschriebenen Formen wider-sprechen; Sie verstehen nichts von dieser Arbeit, mein Freund ... Die Form läuft uns nicht davon; das werden Sie schon noch sehen! ...« murmelte Porfirij, während er plötzlich aufhorchte.
Und wirklich hörte man jetzt Lärm dicht hinter der Tür zum Nebenzimmer.
»Ah, sie kommen«, rief Raskolnikow. »Du hast nach ihnen geschickt ... du hast sie erwartet! Du hast gedacht ... Nun, nur herein mit ihnen; mögen sie doch kommen, die Deputier-ten, die Zeugen, wen du nur willst ... Her mit ihnen! Ich bin bereit! Ich bin bereit!«
Doch da ereignete sich etwas Eigenartiges, etwas, das nach dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge so unerwartet war, daß natürlich weder Raskolnikow noch Porfirij Petrowitsch mit einer solchen Lösung hatten rechnen können.