Aus hundert Kaninchen kann man niemals ein Pferd machen und aus hundert Verdachtsmomenten niemals einen Beweis, wie ein englisches Sprichwort lautet, doch das sagt nur die Vernunft; man versuche einmal, mit seinen Leidenschaften fertigzuwerden ... und ein Untersuchungsrichter ist schließ-lich auch nur ein Mensch! Da fiel mir Ihr Artikel ein, erinnern Sie sich? In dieser Zeitschrift ... bei Ihrem ersten Besuch hat-ten wir ja ausführlich darüber gesprochen. Damals zog ich das Ganze ein wenig ins Lächerliche, aber das geschah nur, um Sie zu weiteren Äußerungen herauszufordern. Ich sage Ihnen noch einmal, Rodion Romanytsch, daß Sie sehr unge-duldig und krank sind. Daß Sie kühn sind, begabt, ernst und ... und viel, viel empfunden haben, das wußte ich schon längst. Mir sind alle diese Empfindungen bekannt, und als ich Ihren Artikel las, war mir, als kennte ich ihn schon. In schlaflosen Nächten und in rasender Besessenheit haben Sie ihn ersonnen, mit wehem, hämmerndem Herzen, mit unterdrücktem Enthu-siasmus. Aber dieser unterdrückte, stolze Enthusiasmus der Jugend ist gefährlich! Ich machte mich damals darüber lustig, doch jetzt will ich Ihnen gestehen, daß ich, sozusagen als Amateur, diese erste jugendliche, leidenschaftliche Talent-probe sehr liebe. Da ist Rauch, da ist Nebel, und in diesem Nebel erklingt eine Saite. Ihr Artikel ist albern und phanta-stisch, aber er zeugt von viel Aufrichtigkeit; es liegt ein ju-gendlicher, unbestechlicher Stolz darin und die Kühnheit der Verzweiflung; es ist ein düsterer Artikel, aber das ist gut, mein Herr. Ich habe damals Ihren Artikel gelesen und zur Seite gelegt, und . . . als ich ihn damals zur Seite legte, dachte ich: Dieser Mensch wird noch einmal Aufsehen erregen! Jetzt sagen Sie mir: wie hätte ich mich nach diesen Voraussetzun-gen nicht von dem, was später geschah, mitreißen lassen sollen? Ach, du lieber Gott! Sage ich am Ende jetzt etwas? Behaupte ich vielleicht irgend etwas? Damals wurde ich nur aufmerk-sam. Was steckt dahinter? dachte ich. Nichts, wirklich gar nichts, vielleicht im höchsten Maße nichts. Folglich gehörte es sich für mich in keiner Weise, daß ich mich so hinreißen ließ; ich habe ja auch Nikolka am Hals, und zwar mit Tatsachen - sagen Sie, was sie wollen, aber es sind Tatsachen! Und er

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