hier ist auch noch Bier übriggeblieben, eine halbe Flasche kal-tes Bier!
Er nahm die Flasche, in der noch ein ganzes Glas Bier war, und trank sie auf einen Zug leer, als wollte er ein Feuer in seiner Brust löschen. Aber nach kaum einer Minute stieg ihm das Bier schon zu Kopfe, und über den Rücken lief ihm ein leichter, geradezu angenehmer Schauer. Er legte sich hin und zog die Decke über sich. Seine Gedanken, ohnedies schon krankhaft und ohne Zusammenhang, verwirrten sich mehr und mehr, und bald umfing ihn ein leichter und angenehmer Schlaf. Voll Genuß suchte er mit dem Kopf einen Platz auf dem Kissen, deckte sich fest mit der weichen wattierten Decke zu, die er jetzt statt des zerrissenen Mantels von früher hatte, seufzte leise und fiel in einen tiefen, festen, heilsamen Schlaf.
Er erwachte, als er hörte, daß jemand ins Zimmer kam; er öffnete die Augen und sah Rasumichin, der die Tür weit aufgemacht hatte und, im Zweifel, ob er hereinkommen solle oder nicht, auf der Schwelle stand. Raskolnikow richtete sich auf dem Diwan rasch auf und blickte den anderen an, als ver-suchte er sich an etwas zu erinnern.
»Ah, du schläfst nicht; nun, da bin ich wieder! Nastasja, bring das Bündel her!« rief Rasumichin nach unten. »Gleich rechne ich mit dir ab ...«
»Wieviel Uhr ist es?« fragte Raskolnikow, während er sich unruhig umblickte.
»Du hast tüchtig geschlafen, mein Lieber; es ist schon Abend; es wird gegen sechs Uhr sein. Du hast länger als sechs Stunden geschlafen ...«
»O Gott! Was habe ich denn ...«
»Was willst du nur? Wohl bekomm's! Du hast doch keine Eile? Mußt du am Ende zu einem Stelldichein? Wie? Die ganze Zeit gehört jetzt uns. Ich warte schon seit drei Stun-den; zweimal war ich da, du hast aber immer geschlafen. Zweimal habe ich auch nach Sosimow gesehen; er war nicht zu Hause! Das macht aber nichts, er kommt bestimmt! ... Eigene Besorgungen hatte ich auch zu erledigen. Ich bin näm-lich heute übergesiedelt, ganz übergesiedelt, zusammen mit meinem Onkel. Ich habe ja jetzt einen Onkel ... Nun ja,