physische Erschöpfung. Sonja sah, wie sehr er sich quälen mußte. Auch ihr begann schwindlig zu werden. Und wie sonderbar er redete: es klang alles ganz verständlich, aber ... Aber wie! Wie denn! O Gott! Und sie rang verzweifelt die Hände.
»Nein, Sonja, das alles ist nicht richtig!« begann er aber-mals und hob plötzlich den Kopf, als hätte ihn ein neuer, un-vermuteter Gedanke erschüttert und belebt. »Das alles ist nicht richtig! Besser ... du nimmst an – ja! so ist es wirklich besser! –, du nimmst an, ich sei eitel, neidisch, böse, ge-mein und rachsüchtig ... und vielleicht neige ich dazu noch zum Wahnsinn. Nimm alles in einem! Über meinen Wahn-sinn hat man schon früher geredet, ich habe es wohl gemerkt! Ich habe dir vorhin erklärt, ich hätte an der Universität mei-nen Unterhalt nicht bestreiten können. Aber weißt du, viel-leicht hätte ich es doch gekonnt. Meine Mutter hätte mir die Studiengelder geschickt, und für Schuhe, Kleider und Kost hätte ich selber aufkommen können, ganz gewiß! Ich hätte Stunden geben können; man bot mir für eine Stunde einen halben Rubel. Rasumichin arbeitet doch auch! Aber ich war böse geworden und wollte nicht. Ich war böse geworden – das ist der treffende Ausdruck! Ich hatte mich damals wie eine Spinne in eine Ecke verkrochen. Du warst ja in meinem Stall, du hast ihn gesehen ... Und weißt du, Sonja, daß enge Räume und niedrige Zimmerdecken die Seele und den Verstand niederdrücken? Oh, wie ich dieses Loch haßte! Dennoch wollte ich nicht weg von dort. Aus Trotz wollte ich nicht! Tagelang verließ ich mein Zimmer nicht, ich wollte nicht arbeiten, wollte nicht einmal essen; die ganze Zeit lag ich da. Wenn Nastasja mir etwas brachte, aß ich es, wenn sie nichts brachte, verging der Tag auch ohne Essen; absichtlich und aus Trotz bat ich sie um nichts! Nachts hatte ich kein Licht; ich lag im Dunkel, wollte mir aber nicht das Geld für Kerzen verdie-nen! Ich hätte studieren sollen, doch die Bücher hatte ich ver-kauft; und auf meinem Tisch, auf meinen Notizen und Heften liegt auch jetzt noch fingerdick der Staub. Lieber lag ich auf dem Diwan, um nachzudenken. Und die ganze Zeit grübelte ich ... Ständig träumte ich; ich träumte die verschiedensten,