alle interessieren. Er hat eine furchtbar hohe Meinung von sich selbst; und wie mir scheinen will, nicht ohne ein ge-wisses Recht. Nun, und was noch? ... Ich glaube, Ihre Ankunft wird auf ihn einen höchst heilsamen Einfluß aus-üben.«

»Ach, gebe es Gott!« rief Pulcheria Alexandrowna, die Rasumichins Worte über ihren Rodja zutiefst getroffen hatten.

Rasumichin blickte schließlich Awdotja Romanowna mit etwas mehr Mut an. Er hatte sie, während er sprach, oft ange-sehen, aber stets nur flüchtig, nur für eine Sekunde, und dann gleich den Blick wieder abgewandt. Awdotja Romanowna saß bald am Tisch und hörte aufmerksam zu, bald stand sie wie-der auf und ging, wie es ihre Gewohnheit war, mit verschränk-ten Armen und zusammengepreßten Lippen von einer Ecke in die andere, wobei sie gelegentlich, ohne ihre Wanderung zu unterbrechen, nachdenklich eine Frage stellte. Auch sie pflegte nicht richtig anzuhören, was man sprach. Sie trug ein dunkles Kleid aus leichtem Stoff und einen durchsichtigen weißen Schal um den Hals. An vielen Dingen hatte Rasumichin so-gleich gemerkt, daß die Ausstattung der beiden Frauen äußerst armselig war. Wäre Awdotja Romanowna wie eine Königin gekleidet gewesen, er hätte wahrscheinlich gar keine Furcht vor ihr empfunden; jetzt aber, vielleicht gerade weil sie so ärmliche Sachen trug und weil er merkte, wie dürftig ihre Verhältnisse waren, hatte sich Furcht in sein Herz geschlichen, und er bangte bei jedem Wort, das er sprach, und bei jeder Bewegung – was natürlich für einen Menschen, der sich ohne-dies selbst nicht vertraut, sehr bedrückend war.

»Sie haben viel Interessantes über den Charakter meines Bruders geäußert und ... Sie haben es gesagt, ohne vorein-genommen zu sein. Das ist gut; ich hatte gemeint, Sie schwärm-ten für ihn«, erklärte Awdotja Romanowna lächelnd. »Mir will scheinen, es trifft zu, daß er eine Frau um sich haben sollte«, fügte sie nachdenklich hinzu.

»Das habe ich nicht gesagt; übrigens haben Sie vielleicht auch hierin recht, nur ...«

»Was?«

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