sondern im Gegenteil jetzt schon Abscheu herrscht, Verach-tung, Ekel – was dann? Dann kommen wir zu dem Ergeb-nis, daß wir auch hier »auf Sauberkeit halten« müssen. Ist's nicht so? Versteht ihr, versteht ihr denn, was diese Sauber-keit bedeutet? Versteht ihr denn nicht, daß die Sauberkeit an der Seite Luschins haargenau das gleiche ist wie die Sauber-keit Sonjetschkas? Ja, daß sie vielleicht noch schlimmer, wider-licher, gemeiner ist, weil bei dir, Dunjetschka, immerhin die Hoffnung auf ein wenig Wohlstand gegeben ist, während es dort schlicht und einfach um den Hungertod geht? Teuer ist diese Sauberkeit, teuer, Dunjetschka! Und wenn sie deine Kräfte zum Schluß übersteigt? Wenn du bereust? Wieviel Leid, Trauer, Flüche, Tränen wird es geben, vor allen ver-borgen gehalten, weil du doch keine Marfa Petrowna bist! Und was wird dann aus Mutter? Sie ist doch jetzt schon un-ruhig und quält sich; aber dann, wenn sie das alles in voller Klarheit erkennt? ... Und was wird mit mir? ... Was habt ihr denn eigentlich von mir gedacht? Ich will dein Opfer nicht, Dunjetschka, ich will es nicht, Mama! Das darf nicht geschehen, solange ich lebe; das wird nicht geschehen, das wird nicht geschehen! Ich nehme dein Opfer nicht an!
Plötzlich kam er zu sich und blieb stehen.
Das wird nicht geschehen? Und was kannst du tun, damit es nicht geschieht? Willst du es verbieten? Mit welchem Recht? Was kannst du ihnen deinerseits versprechen, um dir dieses Recht anzumaßen? Daß du ihnen dein ganzes Leben, deine Zukunft weihen wirst, wenn du die Universität absolviert und eine Stellung erhalten hast? Das haben wir schon gehört, das sind Phantastereien, aber was ist jetzt? Du mußt schon jetzt etwas unternehmen, verstehst du? Und was tust du? Du plünderst sie aus. Denn sie haben die hundert Rubel Pension und das Geld von den Herrschaften Swidrigailow verpfän-det. Womit willst du sie vor den Swidrigailows, vor den Afanasij Iwanowitsch Wachruschins schützen, du zukünftiger Millionär, du Zeus, der über ihr Schicksal verfügt? Nach etwa zehn Jahren wird Mutter vom Kopftuchhäkeln und viel-leicht auch vom Weinen erblindet und vom Hungern abge-zehrt sein – und deine Schwester? Nun, denk einmal dar-