malern geschmückte Hauptstadt kamen. Und hier erhielt ich eine Stellung ... Ich erhielt sie und verlor sie wieder. Ver-stehen Sie, mein Herr? jetzt verlor ich meine Stellung aber durch eigene Schuld, denn diese Leidenschaft hatte mich schon erfaßt ... Wir hausen in einem Loch bei der Wirtin Amalja Fjodorowna Lippewechsel – aber wovon wir leben und womit wir bezahlen, das weiß ich nicht. Dort wohnen außer uns noch viele andere Leute ... Es ist ein ganz abscheuliches Sodom, mein Herr ... Hm! ... Ja ... Indes wuchs nun das Töchterchen heran, das ich aus erster Ehe hatte, und was meine Tochter von ihrer Stiefmutter ausstehen mußte, als sie heranwuchs – darüber will ich schweigen. Denn obgleich die großmütigsten Gefühle Katerina Iwanowna beseelen, ist sie doch eine hitzige, reizbare Dame und kann tüchtig schel-ten ... Aber wozu sich daran erinnern! Sie können sich ja vorstellen, daß Sonja keine Erziehung genossen hat. Vor vier Jahren versuchte ich ihr Geographie und Weltgeschichte bei-zubringen, aber da ich in diesen Fächern selber nicht allzu gut beschlagen bin und außerdem keine anständigen Lehr-bücher zur Hand waren, denn die Bücher, die ich besessen habe ... Nun, sie waren eben nicht mehr da, diese Bücher ... Und so hatte denn der ganze Unterricht ein Ende. Wir sind bei Kyros von Persien stehengeblieben. Als sie dann in ein reiferes Alter kam, las sie einige Bücher romantischen Inhalts, und kürzlich geriet ihr durch Vermittlung des Herrn Le-besjatnikow noch ein Buch in die Hände, die .Physiologie' von Lewis – kennen Sie es vielleicht? Sie las es mit großem In-teresse und las uns sogar Bruchstücke daraus vor; und das ist nun ihre ganze Bildung. Jetzt wende ich mich ganz von selbst mit der privaten Frage an Sie, mein lieber Herr: kann denn nach Ihrer Ansicht ein armes, aber ehrliches Mädchen mit ehr-licher Arbeit viel verdienen? ... Keine fünfzehn Kopeken am Tag verdient sie, mein Herr, wenn sie ehrbar ist und keine besondere Begabung hat, und auch da muß sie den ganzen Tag arbeiten und darf die Hände nicht einen Augen-blick in den Schoß legen! Und der Staatsrat Klopstock zum Beispiel, Iwan Iwanowitsch – haben Sie den Namen viel-leicht schon gehört? –, hat dabei noch nicht einmal das

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