Vergleich mit gestern, nur war er sehr blaß, zerstreut und verdrießlich. Er sah gewissermaßen wie ein Verwundeter aus oder wie ein Mensch, der einen heftigen körperlichen Schmerz erleidet: seine Brauen waren zusammengezogen, die Lippen aufeinandergepreßt; die Augen entzündet. Er sprach wenig und ungern, als kostete es ihn Überwindung oder als erfüllte er eine Verpflichtung, und hin und wieder äußerte sich in sei-nen Bewegungen eine Art Unruhe. Es fehlte nur noch irgend-eine Bandage an der Hand oder ein Fingerling aus Taft, um die Ähnlichkeit mit einem Menschen vollkommen zu machen, der zum Beispiel einen sehr schmerzhaft eiternden Finger hat oder eine verletzte Hand oder sonst eine derartige Wunde.
Übrigens erhellte sich auch dieses blasse, finstere Gesicht für einen Augenblick, als würde es mit Licht übergössen, als Mutter und Schwester eintraten; aber gleich darauf schien nur eine noch konzentriertere Qual an Stelle der früheren gramvollen Zerstreutheit zu treten. Das Licht erlosch, und die Qual blieb. Sosimow beobachtete und studierte seinen Patienten mit all dem jugendlichen Feuereifer eines Arztes, der eben erst mit seiner Praxis begonnen hat, und er sah verwundert, wie Raskolnikows Gesicht bei der Ankunft seiner Verwandten an Stelle von Freude gewissermaßen eine gequälte, heimliche Entschlossenheit verriet, ein oder zwei Stunden lang eine unvermeidliche Folter zu erdulden. Dann sah er, wie fast jedes Wort des folgenden Gespräches irgend-eine Wunde in seinem Patienten zu berühren schien und ihn schmerzte; gleichzeitig aber staunte er nicht wenig, wie gut Raskolnikow sich heute zu beherrschen und seine monomani-schen Gefühle von gestern zu verbergen verstand, als er wegen des kleinsten Wortes fast in Raserei geraten war.
»Ja, ich sehe jetzt selbst, daß ich fast gesund bin«, sagte Raskolnikow freundlich, während er Mutter und Schwester küßte, weswegen Pulcheria Alexandrowna sogleich vor Glück strahlte; »und ich sage das nicht so wie gestern«, fügte er hin-zu, wandte sich an Rasumichin und drückte ihm freundschaft-lich die Hand.
»Ich muß heute geradezu staunen über ihn«, begann So-simow, der sich über die Ankunft der Besucher sehr freute,