Einmal konnte man also damit noch schießen. Swidrigailow dachte nach, steckte den Revolver in die Tasche, nahm seinen Hut und verließ das Haus.

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Den ganzen Abend bis zehn Uhr verbrachte er in verschie-denen Kneipen und Spelunken, indem er immer ein neues Lokal aufsuchte. Irgendwo hatte er auch Katja getroffen; sie sang inzwischen ein neues Lied, in dem es hieß, daß

... ein Unhold und Tyrann Seine Katja küssen wollt ...

Swidrigailow bestellte für Katja etwas zu trinken, und auch den Leierkastenmann, die Sänger, die Kellner und zwei schäbige kleine Schreiber traktierte er mit Getränken. Diese beiden Schreiber hatte er eigentlich nur deshalb eingeladen, weil sie schiefe Nasen hatten: die Nase des einen stand nach rechts, die des anderen nach links. Das hatte Swidrigailow sehr gewundert. Sie schleppten ihn zuletzt in ein Gartenlokal, wo er auch noch den Eintritt für sie bezahlte. In dem be-sagten Garten standen eine dünne dreijährige Tanne und drei Sträucher. Das Ganze nannte sich großartig »Vauxhall«, war aber eigentlich nur eine primitive Schenke, wo man jedoch auch Tee bekommen konnte; es standen einige grüne Tischchen und Stühle herum. Ein miserabler Sängerchor und ein be-soffener Deutscher aus München, zurechtgemacht wie ein Bajazzo, mit einer roten Nase, aber aus irgendwelchen Grün-den außerordentlich melancholisch, belustigten das Publikum. Die Schreiber gerieten in Streit mit anderen Schreibern, eine Rauferei lag in der Luft. Swidrigailow wurde zum Schieds-richter gewählt. Er mühte sich über eine Viertelstunde ab, den Streit zu schlichten, aber die Kerle schrien so durchein-ander, daß es unmöglich war, irgend etwas zu verstehen. Wahrscheinlich war die Sache die, daß einer von ihnen etwas gestohlen und auch schon irgendeinem Juden, der zufällig dazugekommen war, verkauft hatte, daß er jedoch nach dem

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