Angeklagten warfen. Der ehemalige Student Rasumichin hatte irgendwo die Tatsache ausgegraben und mit Beweisen belegt, daß Raskolnikow, als er noch an der Universität war, mit seinen letzten Mitteln einem armen, schwindsüchtigen Kom-militonen geholfen und ihn durch ein halbes Jahr fast ganz erhalten hatte. Als der junge Mann gestorben war, kümmerte sich Raskolnikow um dessen gelähmten Vater – sein Kamerad hatte fast von seinem dreizehnten Jahr an durch seine Arbeit für den Unterhalt des alten Mannes gesorgt –, brachte den Greis schließlich in einem Krankenhaus unter und ließ ihn, nachdem der Alte ebenfalls tot war, anständig be-graben. Alle diese Mitteilungen wirkten sich natürlich auf die Entscheidung über Raskolnikows Schicksal einigermaßen vorteilhaft aus. Seine ehemalige Hauswirtin, die Mutter seiner verstorbenen Braut, die Witwe Sarnizyna, bezeugte unter anderem, daß Raskolnikow, als sie noch in ihrem alten Haus an den Pjat Uglow wohnten, nachts bei einer Feuersbrunst aus einer bereits brennenden Wohnung zwei kleine Kinder herausgeholt und dabei Brandwunden erlitten hatte. Diese Angabe wurde sorgfältig überprüft und von vielen Zeugen genügend glaubwürdig bestätigt. Kurz, der Prozeß endete damit, daß der Angeklagte in Anbetracht dessen, daß er sich selbst gestellt hatte, und einiger mildernder Umstände nur zu Zwangsarbeit zweiter Klasse für die Dauer von acht Jahren verurteilt wurde.

Gleich zu Beginn des Prozesses wurde Raskolnikows Mutter krank. Dunja und Rasumichin hatten eine Möglichkeit ge-funden, sie für die ganze Zeit des Gerichtsverfahrens aus Petersburg wegzubringen. Rasumichin suchte eine Stadt aus, die in der Nähe Petersburgs und an der Eisenbahn lag, um den Prozeß in allen Einzelheiten regelmäßig verfolgen und doch möglichst oft mit Awdotja Romanowna zusammenkommen zu können. Pulcheria Alexandrownas Krankheit war ein selt-sames Nervenleiden und ging Hand in Hand mit einer Art Geistesschwäche, indem sie, wenigstens zeitweise, an Bewußt-seinsstörungen litt. Als Dunja von ihrem letzten Zusammen-treffen mit dem Bruder heimkam, fand sie die Mutter schon krank; sie hatte Fieber und phantasierte. Am selben Abend

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