jedoch am meisten lachte und staunte, das war die Tatsache, daß Lisaweta jeden Augenblick schwanger war ...
»Du sagst aber doch, sie sei so häßlich?« warf der Offi-zier ein.
»Ja, sie hat eine dunkle Gesichtsfarbe und sieht aus wie ein verkleideter Soldat, aber weißt du, häßlich ist sie eigentlich nicht. Ihr Gesicht und ihre Augen sind gut. Sehr gut sogar. Ein Beweis dafür – sie gefällt vielen. Sie ist überaus still, sanft, friedfertig und fügsam und schickt sich in alles. Und ihr Lächeln wirkt sogar sehr hübsch.«
»Mir scheint, sie gefällt auch dir!« rief der Offizier lachend.
»Ja, weil sie so sonderbar ist; aber höre, ich muß dir etwas sagen: ich könnte dieses verdammte alte Weib erschlagen und ausrauben, und ich versichere dir, daß ich das ohne die ge-ringsten Gewissensbisse täte!« sagte der Student hitzig.
Wieder lachte der Offizier laut auf, und Raskolnikow er-schauerte. Wie seltsam das war!
»Erlaube mir, ich möchte eine ernste Frage an dich richten«, begann der Student von neuem. »Ich habe jetzt natürlich Spaß gemacht, aber sieh einmal: da ist auf der einen Seite ein dummes, nutzloses, nichts würdiges, böses, krankes altes Weib, das kein Mensch braucht und das im Gegenteil allen schadet, das selber nicht weiß, wozu es auf der Welt ist, und morgen ohnedies ganz von selbst sterben wird. Verstehst du? Verstehst du?«
»Nun ja«, erwiderte der Offizier, während er den in Hitze geratenen Gefährten aufmerksam betrachtete.
»Hör weiter! Und auf der anderen Seite gibt es junge, un-verbrauchte Kräfte, die ohne Unterstützung nutzlos verkom-men, und das zu Tausenden, überall! Da sind hundert, tausend gute Werke und Unternehmungen, die man mit dem Geld der Alten beginnen und richtig zu Ende führen könnte, mit dem Geld, das einem Kloster vermacht ist! Da sind hundert, tausend Existenzen, die vielleicht auf den rich-tigen Weg gebracht, Dutzende von Familien, die vor dem Elend, der Zersetzung, dem Untergang, dem Laster, der Syphilisabteilung eines Krankenhauses gerettet werden könn-