geflüstert. Wut packte ihn; mit aller Kraft schlug er auf die Alte ein, schlug sie auf den Kopf; aber bei jedem Schlag wur-den das Lachen und Flüstern im Schlafzimmer lauter, und das alte Weib schüttelte sich nur so vor Lachen. Er wollte fliehen, doch die ganze Diele war voller Menschen; die Tür zur Treppe stand weit offen, und auf dem Treppenabsatz und auf den Stufen standen bis ganz hinunter Leute; Leute, Kopf an Kopf, und alle schauten, aber alle trachteten sich zu ver-bergen und warteten und schwiegen ... Das Herz krampfte sich ihm zusammen; er konnte seine Beine nicht mehr bewe-gen, sie waren wie gelähmt ... Er wollte aufschreien und erwachte.
Mühsam holte er Atem, aber merkwürdig: sein Traum schien sich fortzusetzen; die Tür stand weit offen, und auf der Schwelle stand ein ihm völlig unbekannter Mann und musterte ihn unverwandt.
Raskolnikow hatte die Augen noch gar nicht richtig ge-öffnet und schloß sie sofort wieder. Er lag auf dem Rücken und rührte sich nicht.
Träume ich noch immer? dachte er und hob abermals kaum merklich die Lider, um zu sehen: der Unbekannte stand an derselben Stelle und starrte ihn noch immer an.
Plötzlich trat er vorsichtig über die Schwelle, schloß behut-sam die Tür hinter sich, ging an den Tisch, wartete ungefähr eine Minute, ohne während der ganzen Zeit den Blick von Raskolnikow zu wenden, und setzte sich leise, geräuschlos auf den Stuhl vor dem Diwan; seinen Hut legte er neben sich auf den Boden, stützte beide Hände auf seinen Spazierstock und legte das Kinn auf die Hände.
Man sah, daß er bereit war, lange Zeit zu warten. Soweit Raskolnikow, der unter den Augenlidern hervorblinzelte, feststellen konnte, war er ein nicht mehr junger stämmiger Mann und trug einen dichten, hellblonden, fast weißen Bart . . .
Etwa zehn Minuten verstrichen. Es war zwar noch hell, aber der Abend brach herein. Im Zimmer herrschte völlige Stille; sogar von der Treppe drang kein einziger Laut herauf. Nur eine große Fliege summte und stieß manchmal gegen
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