»Laß mich!« sagte Dunja flehend.

Swidrigailow fuhr zusammen: dieses du hatte ganz anders geklungen als das von vorhin.

»Du liebst mich also nicht?« fragte er leise.

Dunja schüttelte nur den Kopf.

»Und ... du könntest es auch nicht? ... Niemals?« flüsterte er verzweifelt.

»Niemals!« flüsterte Dunja zurück.

Einen Augenblick lang tobte ein entsetzlicher, stummer Kampf in Swidrigailows Seele. Mit einem unbeschreiblichen Blick sah er sie an. Plötzlich nahm er seinen Arm weg, wandte sich ab, trat rasch zum Fenster und blieb davor stehen.

Es verging noch ein Augenblick.

»Hier ist der Schlüssel!« Er zog ihn aus seiner linken Manteltasche und legte ihn hinter sich auf den Tisch, ohne hinzusehen und ohne sich zu Dunja umzuwenden. »Nehmen Sie ihn, gehen Sie, gehen Sie rasch ...«

Er starrte unverwandt zum Fenster hinaus.

Dunja ging zum Tisch, um den Schlüssel zu nehmen.

»Rasch! Rasch!« wiederholte Swidrigailow, der sich noch immer nicht regte und sich nicht umwandte. Aber in diesem »rasch« war deutlich ein furchtbarer Unterton zu vernehmen.

Dunja erkannte das, ergriff den Schlüssel, lief zur Tür, schloß sie auf und stürzte aus dem Zimmer. Einen Augen-blick später lief sie wie eine Irre, völlig außer sich, den Kanal entlang in Richtung der N.-Brücke.

Swidrigailow stand noch etwa drei Minuten am Fenster; endlich wandte er sich langsam um, blickte um sich und strich sich leise mit der flachen Hand über die Stirn. Ein sonder-bares Lächeln verzog sein Gesicht, ein klägliches, trauriges, mattes Lächeln, ein Lächeln der Verzweiflung. Das Blut, das bereits trocknete, hatte ihm die Hand beschmiert; böse starrte er es an; dann machte er ein Handtuch feucht und wusch sich die Schläfe. Der Revolver, den Dunja weggeworfen hatte und der zur Tür geflogen war, fiel ihm plötzlich in die Augen. Swidrigailow hob ihn auf und betrachtete ihn. Es war ein kleiner dreischüssiger Taschenrevolver, ein altes Fabrikat; zwei Kugeln und eine ganze Patrone steckten noch darin.

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