»Ja, ehemaliger Student.«
Der Schreiber musterte ihn, übrigens ohne jegliche Neu-gier. Er war besonders abgerissen und hatte einen ganz star-ren Blick.
Von dem erfahre ich nichts, weil ihm alles gleichgültig ist, dachte Raskolnikow.
»Gehen Sie dorthin, zum Schriftführer«, fuhr der Schreiber fort und zeigte mit dem Finger auf das letzte Zimmer.
Raskolnikow betrat diesen Raum – es war der vierte –, der eng war und vollgepfercht mit Leuten; sie waren jedoch etwas besser angezogen als die in den drei andern Räumen. Unter den Besuchern waren auch zwei Damen. Die eine, ärm-lich gekleidet und in Trauer, saß an einem Tisch, dem Schrift-führer gegenüber, und schrieb etwas, das er ihr diktierte. Die andere Dame, sehr üppig und krebsrot, mit Flecken im Ge-sicht, eine stattliche Frau, ein wenig allzu auffallend geklei-det, mit einer Brosche, so groß wie eine Untertasse, stand ab-seits und wartete auf etwas. Raskolnikow reichte dem Schriftführer seine Vorladung. Der Mann blickte flüchtig auf, sagte: »Warten Sie!« und befaßte sich weiterhin mit der Dame in Trauer.
Raskolnikow atmete freier. Es ist sicherlich nicht das! All-mählich faßte er Mut; mit allen Kräften redete er sich zu, Mut zu haben und klaren Kopf zu bewahren.
Irgendeine Dummheit, eine ganz nichtige Unvorsichtig-keit, und ich liefere mich selbst ans Messer. Hm ... Schade, daß hier so wenig frische Luft ist, dachte er weiter, diese Schwüle! ... Mein Schwindelgefühl wird noch stärker wer-den ... Und meine Gedanken verwirren sich noch mehr ...
Er fühlte in seinem Inneren ein furchtbares Durchein-ander und hatte Angst, die Beherrschung zu verlieren. Er bemühte sich, sich an etwas festzuklammern und an irgend etwas zu denken, an etwas ganz am Rande Liegendes, doch das gelang ihm nicht. Übrigens interessierte ihn der Schriftführer sehr, und es verlangte ihn, aus dem Gesicht dieses Mannes irgend etwas herauszulesen, ihn zu durch-schauen. Er war noch ziemlich jung, vielleicht zweiundzwan-zig Jahre alt, und hatte ein lebhaftes, dunkles Gesicht, das