her, und es ist doch jeder von ihnen schon von Natur aus ein Schuft und Bandit ... noch schlimmer: ein Idiot! Aber es sollte nur ein Mensch wagen, mir die Verbannung nach Sibi-rien ersparen zu wollen – jeder würde ganz toll werden vor edler Entrüstung! Oh, wie ich sie alle hasse!
Er versank in tiefes Grübeln darüber, wodurch es wohl so weit kommen könnte, daß er sich schließlich ohne Wider-rede vor allen diesen Menschen demütigte, aus Überzeugung demütigte. Aber warum sollte es nicht so weit kommen? Na-türlich, das mußte geschehen – würden denn zwanzig Jahre unablässigen Druckes ihn nicht endgültig niederzwingen? Ste-ter Tropfen höhlt den Stein! Aber wozu, wozu soll ich dann noch leben, wozu gehe ich jetzt dorthin, da ich doch selbst weiß, daß alles genauso sein wird, wie es im Buche steht, um keinen Deut anders?
Er legte sich diese Frage seit dem gestrigen Abend viel-leicht schon zum hundertstenmal vor, aber er ging dennoch seinen Weg.
Als er zu Sonja kam, begann es schon zu dämmern. Den ganzen Tag hatte sie gemeinsam mit Dunja in entsetzlicher Erregung auf ihn gewartet. Dunja war schon am Morgen ge-kommen, da ihr eingefallen war, daß Swidrigailow gesagt hatte, Sonja wisse alles. Wir wollen das Gespräch der beiden Frauen und ihre Tränen nicht im einzelnen schildern, auch nicht, wie sehr sie einander näherkamen. Dunja nahm aus die-sem Beisammensein wenigstens den einen Trost mit, daß ihr Bruder nicht allein sein werde: ihr, Sonja, hatte er zuerst ge-beichtet; in ihr hatte er einen Menschen gesucht, als er einen Menschen dringend brauchte; und sie folgte ihm gewiß, wohin ihn das Schicksal auch verschlug. Dunja stellte keine Fragen, aber sie wußte, daß es so sein werde. Sie betrachtete Sonja ge-radezu mit einer Art Ehrfurcht und verwirrte sie anfangs bei-nahe durch die Hochachtung, die sie ihr entgegenbrachte. Sonja war den Tränen nahe; sie hielt sich ganz im Gegenteil für unwürdig, Dunja auch nur anzusehen. Das herrliche Bild,