nur die Blüten sind und die richtigen Früchte erst noch nach-kommen! Denn das ist der springende Punkt: es dreht sich nicht um seinen Geiz, um die Knickerei, sondern um den Ton des Ganzen. Da kündigt sich geradezu prophetisch der Ton an, der in ihrer Ehe herrschen wird ... Und wovon soll Mama denn leben? Mit wieviel Geld wird sie nach Petersburg kommen? Mit drei Silberrubeln oder zwei »Scheinchen«, wie jene Frau sagt . . . die Alte ...? Wovon will Mama denn später in Petersburg leben? Es ist ihr ja schon an irgendwel-chen Dingen aufgegangen, daß sie nach der Heirat nicht mit Dunja wird leben können, nicht einmal in der ersten Zeit! Der liebe Mensch hat sich sicherlich verplappert, hat sich zu erkennen gegeben, wiewohl sich Mamachen mit beiden Händen dagegen wehrt: »Ich selber will einen solchen Vor-schlag ablehnen.« Aber worauf und auf wen rechnet sie dann: auf die hundertzwanzig Rubel Pension, von der noch abge-zogen wird, was sie an Afanasij Iwanowitsch zurückzahlen muß? Sie strickt warme Tücher und stickt Ärmelschützer und verdirbt sich damit ihre alten Augen. Aber diese Tücher tragen ihr im Jahr nur zwanzig Rubel zu ihren hundert-zwanzig ein; das weiß ich. Also rechnen die beiden ja doch auf die edlen Gefühle des Herrn Luschin. »Er wird mir von sich aus den Vorschlag machen.« Der Knicker! Doch so geht es immer bei diesen Schillerschen Schönen Seelen: bis zum letz-ten Augenblick schmücken sie einen Menschen mit Pfauen-federn; bis zum letzten Augenblick glauben sie an das Gute im Menschen und nicht an das Schlechte; und obgleich sie die Kehrseite der Medaille ahnen, wollen sie sich doch vorher um keinen Preis die Wahrheit eingestehen – es graut ihnen bei dem bloßen Gedanken daran; mit beiden Händen wehren sie sich gegen die Wahrheit, bis sie der so schön aufgeputzte Mensch schließlich eigenhändig mit der Nase darauf stößt. Ich wüßte gerne, ob Herr Luschin irgendwelche Orden be-sitzt; ich möchte darauf schwören, daß er den Annenorden im Knopfloch trägt und daß er ihn anlegt, wenn er bei Unter-nehmern und Kaufleuten speist. Er wird ihn wohl auch bei seiner Hochzeit tragen ... Übrigens soll ihn der Teufel holen! ...

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