besser gesagt: auf Wiedersehen! Ich umarme Dich innig, in-nig, und küsse Dich unzählige Male.

Die Deine bis zum Grab Pulcheria Raskolnikowa«

Während Raskolnikow diesen Brief las, die ganze Zeit über, schon von der ersten Zeile an, war sein Gesicht naß von Tränen; doch als er zu Ende gelesen hatte, war es bleich, ver-krampft, und ein gequältes, galliges, böses Lächeln kräuselte seine Lippen. Er preßte den Kopf auf sein dünnes, schäbiges Kissen und dachte nach, dachte lange nach. Heftig schlug ihm das Herz, und heftig waren seine Gedanken erregt. Schließ-lich wurde ihm in dieser gelben Kammer, die eher einem Schrank oder einer Truhe glich, schwül und enge. Sein Blick und sein Denken verlangten nach Freiheit und Weite. Er nahm seinen Hut und ging weg, diesmal ohne die Furcht, auf der Treppe jemandem zu begegnen; das hatte er verges-sen. Er schlug die Richtung zur Wasilij-Insel ein, über den W.-Prospekt, als eilte er in Geschäften dorthin; aber nach seiner Gewohnheit ging er, ohne auf den Weg zu achten. Er flüsterte vor sich hin und sprach sogar laut mit sich selber, wodurch er alle, die ihm begegneten, in großes Erstaunen setzte. Viele hielten ihn für betrunken.

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Das Schreiben seiner Mutter quälte ihn. Aber in der Hauptsache, im wichtigsten Punkt gab es für ihn keine Minute lang einen Zweifel, nicht einmal während er den Brief las. Das Wesentliche an der Sache war für ihn schon entschieden, endgültig entschieden: diese Ehe wird nicht zustande kom-men, solange ich lebe; zum Teufel mit Herrn Luschin!

Die Sache liegt ja klar zutage, murmelte er vor sich hin und feierte jetzt schon, grinsend und böse, den Erfolg seines Ent-schlusses. Nein, liebe Mama, nein, Dunja, ihr könnt mich nicht hinters Licht führen! ... Und sie entschuldigen sich noch, daß sie meinen Rat nicht eingeholt und die Sache ohne

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