Was will er denn eigentlich? Was hat er nur? überlegte Raskolnikow.

»Nein, der Schuldtitel hat mich nicht weiter gestört«, fuhr Swidrigailow nachdenklich fort. »Ich blieb aus freien Stücken auf dem Lande, und außerdem ist es jetzt ungefähr ein Jahr her, daß Marfa Petrowna mir an meinem Namenstag dieses Papier zurückgab und mir obendrein noch eine beachtliche Summe schenkte. Sie hatte ja Vermögen. ,Sehen Sie, Arkadij Iwanowitsch, wie ich Ihnen vertraue', waren ihre Worte. Sie glauben mir wohl nicht, daß sie sich so ausgedrückt hat? Aber Sie müssen wissen, daß ich auf dem Lande ein guter Hauswirt geworden war; man kannte mich in der ganzen Gegend. Ich exzerpierte auch Bücher. Marfa Petrowna war anfangs damit einverstanden, später aber hatte sie immerzu Angst, ich könnte vom Studieren dumm werden.«

»Es scheint, daß Sie sich sehr nach Marfa Petrowna sehnen?«

»Ich? Vielleicht, wahrhaftig, es kann sein. A propos, glau-ben Sie an Gespenster?«

»An was für Gespenster?«

»An ganz gewöhnliche Gespenster, an irgendwelche!«

»Glauben Sie denn daran?«

»Nein, das wohl nicht, pour vous plaire ... das heißt, eigentlich ...«

»Erscheinen Ihnen welche?«

Swidrigailow sah ihn seltsam an.

»Marfa Petrowna hat die Güte, mich zuweilen zu be-suchen«, stieß er dann hervor, wobei er den Mund zu einem merkwürdigen Lächeln verzog.

»Wieso hat sie die Güte?«

»Sie ist schon dreimal dagewesen. Zuerst sah ich sie am Tag ihres Begräbnisses, eine Stunde, nachdem ich vom Friedhof zurückgekehrt war. Das war kurz vor meiner Abreise. Das zweitemal erschien sie mir vorgestern auf der Reise. Es war im Morgengrauen, und wir hielten an der Station Malaja Wischera. Das drittemal sah ich sie vor zwei Stunden, in dem Zimmer, das ich hier bewohne; ich war allein.«

»Und bei wachen Sinnen?«

»Völlig. Jedesmal war ich vollkommen wach. Sie kommt,

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