noch ein Honorar zu! Einen merkwürdigen Charakter haben Sie! Sie leben so für sich, daß Sie selbst von Dingen, die Sie unmittelbar betreffen, keine Ahnung haben. Es ist tatsäch-lich so ... dieser Artikel beweist es.«
»Bravo, Rodka! Auch ich habe nichts davon gewußt!« rief Rasumichin. »Heute noch laufe ich in die Lesehalle und lasse mir die Nummer geben. Vor zwei Monaten war das? An welchem Tag? Aber ganz gleich – ich finde sie schon! Das ist ja allerhand! Und er sagt kein Wort!«
»Und wie haben Sie erfahren, daß der Artikel von mir ist? Er war nur mit einem Buchstaben gezeichnet.«
»Ganz zufällig hörte ich dieser Tage davon. Ein Redakteur erzählte es mir; ich kenne ihn ... Es hat mich sehr inter-essiert.«
»Ich erinnere mich; ich analysierte da den psychologi-schen Zustand eines Verbrechers während des ganzen Ab-laufs seiner Tat.«
»Ja, mein Herr, und Sie behaupteten, daß die Ausführung eines Verbrechens immer von einer Art Krankheit begleitet sei. Originell, sehr originell, aber ... mich hat eigentlich nicht so sehr dieser Teil Ihrer Darlegungen interessiert wie viel-mehr ein Gedanke, den Sie erst am Schluß Ihres Artikels vor-bringen, leider freilich nur andeutungsweise und nicht recht klar ... Mit einem Wort – wenn Sie sich noch erinnern –: es findet sich da eine Anspielung, daß es auf dieser Welt gewissermaßen Personen gebe, die ... jeglichen Exzeß und jegliches Verbrechen begehen könnten ... das heißt, nicht nur könnten, sondern ein Recht dazu hätten, als existierte für sie das Gesetz nicht.«
Raskolnikow lachte über diese gewaltsame, absichtliche Verzerrung seiner Idee.
»Wie? Was soll das? Ein Recht auf Verbrechen? Aber doch nicht deshalb, weil das ,Milieu an allem schuld' ist?« fragte Rasumichin geradezu betroffen.
»Nein, nein, gewiß nicht deshalb«, antwortete Porfirij. »Die ganze Sache ist die, daß in dem Artikel dieses Herrn alle Menschen irgendwie in ,gewöhnliche' und ,ungewöhnliche' Menschen eingeteilt werden. Die Gewöhnlichen müssen in