nicht hier vorüber. Doch kaum kam ich hier vorbei, saßen Sie da! Das ist seltsam!«
»Warum sagen Sie nicht geradeheraus: das ist ein Wunder?«
»Weil es vielleicht nur ein Zufall ist!«
»So sind diese Leute!« lachte Swidrigailow auf. »Selbst wenn sie im Innersten an ein Wunder glauben, geben sie es doch nie zu! Und dabei räumen Sie doch selbst ein, daß es ,vielleicht' nur ein Zufall sei! Sie können sich gar nicht vor-stellen, wie feige die Leute hier hinsichtlich ihrer eigenen Mei-nung sind, Rodion Romanytsch! Ich spreche natürlich nicht von Ihnen. Sie haben eine eigene Meinung, und Sie haben auch keine Angst davor, eine Meinung zu haben. Eben da-durch haben Sie ja auch meine Neugier erweckt.«
»Sonst durch nichts?«
»Das genügt doch!«
Swidrigailow war offensichtlich gehobener Stimmung, wenn auch nicht übermäßig angeregt; er hatte nicht mehr als ein halbes Glas Champagner getrunken.
»Mir scheint, Sie sind zu mir gekommen, noch ehe Sie erfahren hatten, daß ich fähig bin, das, was Sie eine eigene Meinung nennen, zu haben«, bemerkte Raskolnikow.
»Nun, damals war das etwas anderes. Jeder hat seine höchst persönlichen Methoden. Und was das Wunder betrifft, so muß ich Ihnen sagen, daß Sie die letzten zwei, drei Tage anscheinend verschlafen haben. Ich selbst habe Ihnen dieses Gasthaus angegeben, und es war kein Wunder dabei, daß Sie geradewegs hierherkamen; ich selbst habe Ihnen den Weg er-klärt, habe Ihnen das Gasthaus beschrieben und die Stunde genannt, zu der man mich hier finden kann. Erinnern Sie sich?«
»Ich hatte es vergessen«, antwortete Raskolnikow erstaunt.
»Das glaube ich. Zweimal habe ich es Ihnen gesagt. Die Adresse hat sich anscheinend mechanisch Ihrem Gedächtnis eingeprägt. Sie bogen auch mechanisch hierher ab, schlugen aber genau den richtigen Weg ein, ohne es selbst zu wissen. Als ich Ihnen das damals sagte, hoffte ich gar nicht, daß Sie mich verstanden hätten. Sie verraten sich zu sehr, Rodion Romanytsch. Und noch etwas: ich bin überzeugt, daß in