»Betrunken sind sie; da treiben sie böse Dinge; es ist nicht unsere Sache; gehen wir!« entgegnet der Vater. Rodja umfängt den Vater mit den Armen, doch im Herzen ist ihm so bang, so bang. Er will Atem holen, schreit auf und erwacht.

Er war ganz in Schweiß gebadet, das Haar klebte ihm vor Schweiß, er keuchte und hatte sich voll Entsetzen aufgerichtet.

Gottlob, es war nur ein Traum! sagte er sich, während er sich unter einen Baum setzte und tief Atem holte. Aber was soll das? Bekomme ich etwa Fieber? Ein so gräßlicher Traum!

Sein ganzer Körper war wie zerschlagen; in seiner Seele war es dunkel und verworren. Er stützte die Ellbogen auf die Knie und barg den Kopf in seinen Händen.

O Gott! rief er, werde ich denn wirklich das Beil nehmen, wirklich und wahrhaftig, werde ich sie über den Kopf schla-gen und ihr den Schädel zerschmettern ... werde ich in dem klebrigen, warmen Blut ausgleiten, das Schloß erbrechen, steh-len und zittern; werde ich mich verstecken, blutüberströmt ... mit dem Beil ... o Herr, wird das wirklich sein?

Während dieser Worte zitterte er wie Espenlaub.

Aber was rede ich denn da! dachte er weiter, während er sich wieder erhob, gleichsam in tiefem Staunen. Ich habe doch gewußt, daß ich das nicht über mich bringen werde, warum habe ich mich dann bis jetzt so gequält? Denn schon gestern, gestern, als ich hinging, diese ... diese Probe zu ma-chen ... Schon gestern erkannte ich unbezweifelbar, daß ich es nicht über mich bringen würde ... Was will ich also jetzt? Warum zweifelte ich noch bis zu diesem Augenblick? Denn schon gestern, als ich die Treppe hinunterlief, sagte ich mir selbst, daß es abscheulich sei, niedrig und gemein ... Und bei dem bloßen Gedanken wurde mir bei wachen Sinnen übel, die Vorstellung allein jagte mir Entsetzen ein ...

Nein, ich stehe es nicht durch, ich stehe es nicht durch! Mag in allen diesen Berechnungen meinetwegen auch nicht der kleinste Fehler stecken, mag alles, was ich im letzten Monat beschlossen habe, auch sonnenklar sein und richtig wie die Regeln der Arithmetik! . . . O Herr! ich werde mich ja doch nicht dazu entschließen können! Ich werde es nicht

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