»Du lieber Gott, Dunjetschka!« sagte Pulcheria Ale-xandrowna, sobald sie auf der Straße waren, »jetzt bin ich geradezu froh, daß wir weggegangen sind; es ist mir irgend-wie leichter ums Herz. Ach, hätte ich mir gestern im Eisen-bahnzug träumen lassen, daß ich mich darüber freuen würde?«
»Ich versichere Ihnen noch einmal, Mama, daß er sehr krank ist. Sehen Sie das denn nicht? Vielleicht hat er seine Gesundheit ruiniert, weil er um uns litt. Man muß Nachsicht üben, und vieles, vieles kann man verzeihen.«
»Aber du warst gar nicht nachsichtig!« fiel ihr Pulcheria Alexandrowna sogleich hitzig und eifersüchtig ins Wort. »Weißt du, Dunja, ich habe euch beide jetzt beobachtet: ihr gleicht euch wie ein Ei dem andern. Damit meine ich nicht so sehr euer Äußeres wie vielmehr eure Seelen: ihr seid beide Melancholiker; beide seid ihr mürrisch und jähzornig, beide anmaßend und beide großherzig ... Es ist doch ganz ausge-schlossen, daß er ein Egoist wäre, nicht wahr, Dunjetschka? ... Wenn ich aber an heute abend denke, bleibt mir das Herz stehen!«
»Machen Sie sich keine Sorgen, liebe Mama; es wird ge-schehen, was geschehen muß.«
»Aber Dunjetschka! So bedenke doch nur, in welcher Lage wir jetzt sind! Und was geschieht, wenn Pjotr Petrowitsch zurücktritt?« platzte die arme Pulcheria Alexandrowna plötz-lich unvorsichtig heraus.
»Was wäre er dann wert!« antwortete Dunjetschka schroff und geringschätzig.
»Wir haben gut daran getan, daß wir jetzt weggegangen sind«, nahm Pulcheria Alexandrowna hastig das Gespräch wie-der auf. »Er hatte es eilig, irgend etwas zu erledigen; er soll nur ein wenig ausgehen und frische Luft schöpfen ... Es ist furchtbar schwül bei ihm ... Aber wo gibt es hier denn frische Luft? Selbst auf der Straße ist es so drückend wie in einem Zimmer, das man nicht lüften kann. Du lieber Himmel, was für eine Stadt! ... Halt, geh beiseite; sie stoßen dich noch um! Da wird etwas getragen! Das war ein Klavier ... Wie die Leute drängeln ... Auch vor dem Mädchen habe ich große Angst ...«