handlung Ist die Frau ein Mensch? übersetzen? Wenn ja, so nimm gleich den Text mit, nimm Federn, Papier – das bekomme ich alles kostenlos geliefert – und nimm auch drei Rubel; da ich für die ganze Übersetzung Vorschuß genommen habe, für den ersten und für den zweiten Bogen nämlich, entfallen genau drei Rubel auf deinen Teil. Und wenn du den Bogen fertig hast, bekommst du weitere drei Silberlinge. Und noch etwas: bitte halte das für keine Gefälligkeit mei-nerseits. Im Gegenteil, im selben Augenblick, als du herein-kamst, dachte ich schon daran, daß du mir vielleicht helfen könntest. Erstens steht es mit meiner Orthographie nicht zum besten, und zweitens bin ich im Deutschen recht miserabel, so daß ich zumeist Eigenes hinzudichte und mich nur damit tröste, daß das Ganze dadurch höchstens besser wird. Na, wer weiß, vielleicht wird es auch nicht besser, sondern nur noch schlechter ... Willst du, ja?«
Schweigend nahm Raskolnikow den Bogen des deutschen Textes, nahm die drei Rubel und ging weg, ohne ein Wort zu sprechen. Rasumichin blickte ihm verwundert nach. Doch als Raskolnikow bis zur ersten Querstraße gelangt war, kehrte er plötzlich um, stieg wieder zu Rasumichin hinauf, legte sowohl den deutschen Text wie die drei Rubel auf den Tisch und ging zum zweitenmal, wiederum ohne ein Wort zu sprechen.
»Ja, bist du denn verrückt geworden, he?« brüllte Rasumi-chin, der endlich doch wütend wurde. »Was führst du hier für eine Komödie auf!? Du machst ja sogar mich ganz irre ... Weshalb bist du denn überhaupt gekommen, zum Teufel?«
»Ich brauche keine ... Übersetzungen ...« murmelte Ras-kolnikow, während er die Treppe schon hinabstieg.
»Was brauchst du dann also in drei Teufels Namen?« schrie ihm Rasumichin von der Treppe her nach. Raskolnikow aber setzte stumm seinen Weg fort.
»He du! Wo wohnst du denn jetzt?«
Er bekam keine Antwort.
»Dann soll dich doch der Teufel holen! . . . »
Raskolnikow trat schon auf die Straße. Auf der Nikolaj-Brücke kam er infolge eines für ihn sehr unangenehmen
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