ein wenig älter wirkte, als er war; er trug sich nach der letz-ten Mode, stutzerhaft, hatte einen Scheitel bis zum Nacken, war gut frisiert und pomadisiert, hatte eine Menge Ringe an den weißen, wohlgepflegten Fingern und goldene Ketten über der Weste. Mit einem Ausländer, der ebenfalls da war, wechselte er sogar einige französische Worte, und zwar in recht gutem Französisch.
»Luisa Iwanowna, setzen Sie sich doch«, sagte er nebenbei zu der herausgeputzten krebsroten Dame, die noch immer dastand, als wagte sie nicht, sich unaufgefordert niederzu-setzen, obwohl neben ihr ein Stuhl frei war.
»Ich danke«, erwiderte sie leise auf deutsch und ließ sich unter dem Rauschen ihres Seidenkleides auf den Stuhl sin-ken. Ihr hellblaues Kleid mit der weißen Spitzengarnitur blähte sich wie ein Luftballon rings um den Stuhl und nahm beinahe das halbe Zimmer ein. Parfümgeruch wehte her-über. Ihr war es jedoch sichtlich peinlich, daß sie soviel Platz beanspruchte und so stark nach Parfüm roch; sie lächelte feige und zugleich frech, auf jeden Fall aber in deutlicher Unruhe.
Die Dame in Trauer war nun endlich fertig und erhob sich. Plötzlich trat ziemlich lärmend ein Offizier ein, der bei jedem Schritt herausfordernd und irgendwie eigenartig die Schultern bewegte; er warf seine Mütze mit der Kokarde auf einen Tisch und setzte sich in den Lehnsessel. Die üppige Dame hüpfte, als sie ihn sah, nur so von ihrem Platz und begann mit einem komischen Entzücken zu knicksen; der Offizier jedoch schenkte ihr keine Beachtung, und sie wagte sich in seiner Gegenwart nicht mehr zu setzen. Es war der Stellver-treter des Revierinspektors; er hatte einen horizontal nach beiden Seiten abstehenden rötlichen Schnurrbart und unge-mein feine Gesichtszüge, die allerdings außer einiger An-maßung nichts ausdrückten. Scheel und ein wenig empört be-trachtete er Raskolnikow; der trug einen allzu abscheulichen Anzug, und trotz aller Erniedrigung stimmte seine Haltung ganz und gar nicht mit seiner Kleidung überein; unvor-sichtigerweise starrte Raskolnikow ihn allzu lange an, so daß der andere geradezu beleidigt war.