undurchsichtigen Beziehungen. Bei ihr lebte eine entfernte Verwandte, ich glaube eine Nichte, ein taubstummes Mädchen von fünfzehn oder gar nur vierzehn Jahren, und diese Rös-lich haßte sie maßlos und machte ihr jedes Stück Brot zum Vorwurf; ja, sie prügelte sie sogar unmenschlich. Eines Tages fand man das Mädchen erhängt auf dem Dachboden. Es wurde festgestellt, daß Selbstmord vorlag. Nach den üb-lichen Formalitäten war der Fall damit erledigt, aber später lief eine Anzeige ein, daß das Kind von Swidrigailow ... grausam mißbraucht worden sei. Freilich war die ganze An-gelegenheit höchst dunkel; die Anzeige hatte eine andere Deutsche, eine Frau üblen Lebenswandels, die keineswegs ver-trauenswürdig war, erstattet; schließlich fiel auch dank den Bemühungen und dem Geld Marfa Petrownas diese Anzeige unter den Tisch; alles blieb auf ein Gerücht beschränkt. Doch immerhin war dieses Gerücht sehr aufschlußreich. Gewiß haben Sie, Awdotja Romanowna, im Hause Swidrigailows auch von der Geschichte mit diesem Filka gehört, der vor sechs Jahren – noch zur Zeit der Leibeigenschaft – an Miß-handlungen starb?«

»Ich habe gehört, daß dieser Filka sich erhängt hat.«

»Sehr wohl, aber zu diesem gewaltsamen Tode trieben oder, besser gesagt, prädisponierten ihn Herrn Swidrigailows unablässige Verfolgungen und Mißhandlungen.«

»Das weiß ich nicht«, antwortete Dunja trocken. »Ich habe nur eine sehr seltsame Geschichte gehört, der zufolge dieser Filka ein Hypochonder war, eine Art Philosoph; die Leute sagten, er sei ,vom Lesen' verrückt geworden, und er habe sich mehr des Spottes wegen als wegen der Schläge Herrn Swidrigailows aufgehängt. Herr Swidrigailow betrug sich übrigens, solange ich in seinem Hause war, anständig zu den Leuten, und sie hatten ihn sogar gern, obgleich auch sie ihm die Schuld an Filkas Tode gaben.«

»Ich sehe, Awdotja Romanowna, daß Sie plötzlich geneigt sind, ihn zu rechtfertigen«, bemerkte Luschin, während er den Mund zu einem zweideutigen Lächeln verzog. »Er ist wirk-lich ein gerissener, verführerischer Mensch, was die Damen betrifft, wofür Marfa Petrowna, die auf so sonderbare Weise

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