Sie denn ausfragen?« schnatterte Porfirij Petrowitsch plötzlich los, indem er blitzartig sowohl seinen Ton wie seinen Gesichts-ausdruck wechselte und im Nu zu lachen aufhörte. »Aber bitte, regen Sie sich doch nicht auf«, beschwichtigte er ihn, wäh-rend er von neuem bald nach allen Seiten lief, bald Raskol-nikow aufforderte, wieder Platz zu nehmen. »Wir haben Zeit, wir haben Zeit, mein Herr; das alles sind ja lauter Lappalien! Im Gegenteil, ich freue mich ja so sehr, daß Sie endlich zu uns gekommen sind ... Ich empfange Sie wie einen Gast. Und wegen dieses verfluchten Lachens müssen Sie mich entschuldigen, mein lieber Rodion Romanowitsch, Sie heißen doch Rodion Romanowitsch, nicht wahr? Das ist doch Ihr Name und Vatersname, scheint mir? ... Ich bin ziemlich nervös; Sie haben mich durch den Scharfsinn Ihrer Bemerkung sehr zum Lachen gebracht; und manchmal zittere ich dann vor Lachen wie Gummielastikum, eine halbe Stunde lang ... Ich lache sehr gern. Bei meiner Konstitution habe ich geradezu Angst vor einem Schlaganfall. So setzen Sie sich doch, was wollen Sie denn? ... Ich bitte Sie, mein Lie-ber, setzen Sie sich, sonst muß ich glauben, Sie seien mir böse ...«
Schweigend hörte ihm Raskolnikow zu; er beobachtete ihn noch immer mit zornig gerunzelter Stirn. Übrigens setzte er sich, legte aber die Mütze nicht aus der Hand.
»Ich will Ihnen etwas verraten, teurer Rodion Romano-witsch, sozusagen um Ihnen meinen Charakter verständlich zu machen«, fuhr Porfirij Petrowitsch fort, während er im Zimmer hin und her schoß und so wie zuvor dem Blick seines Besuchers auszuweichen schien. »Wissen Sie, ich bin Jung-geselle. Ich bin kein Gesellschaftsmensch, ich habe keine Be-kannten, und dazu bin ich ein Mensch, der mit seiner Ent-wicklung bereits fertig ist; ich bin sozusagen in die Samen geschossen ... ich ... und ... und ... Haben Sie übrigens schon bemerkt, Rodion Romanowitsch, daß bei uns, das heißt in Rußland und vor allem in unsern Petersburger Kreisen, zwei kluge Menschen, die noch nicht allzugut miteinander bekannt sind, aber einander sozusagen respektieren wie zum Beispiel wir beide jetzt – daß bei uns zwei kluge Menschen,
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