»Sechs Klassen! Ach, du liebes Spätzchen! Mit einem Schei-tel und mit Ringen an den Fingern – ein reicher Mann! Mein Gott, was für ein lieber Junge!«
Raskolnikow brach in ein nervöses Lachen aus; er lachte Sametow gerade ins Gesicht. Der wich zurück und war zwar nicht gerade beleidigt, aber doch höchst erstaunt.
»Zum Teufel, wie sonderbar Sie sind!« wiederholte Sa-metow sehr ernst. »Mir kommt es so vor, als fieberten Sie noch immer.«
»Fiebern? Keine Rede, mein Spätzchen! . .. Ich bin also sonderbar? Ich interessiere Sie wohl, wie? Interessiere ich Sie?«
»Ja.«
»Sie möchten also wissen, was ich in den Zeitungen ge-lesen, was ich darin gesucht habe? Schauen Sie nur her, wie viele Nummern ich mir bringen ließ! Das ist doch verdächtig, wie?«
»Na, erzählen Sie es doch!«
»Sie müssen aber die Ohren spitzen!«
»Was denn noch?«
»Später will ich Ihnen sagen, mein Lieber, warum Sie die Ohren spitzen sollen, jetzt aber erkläre ich Ihnen ... Nein, besser gesagt: ,Ich gestehe' ... Nein das ist auch nicht das Richtige: ,Ich gebe eine Aussage zu Protokoll, und Sie nehmen sie auf – jetzt habe ich's! Ich gebe also zu Protokoll, was ich gelesen, wofür ich mich interessiert, was ich gesucht ... und gefunden habe. «Raskolnikow kniff die Augen zusammen und wartete. »Ich habe – und zu diesem Zweck bin ich hierhergekommen – die Nachrichten über den Mord an der alten Beamtenwitwe gesucht«, sprach er schließlich fast flüsternd, während er sein Gesicht ganz nahe an das Sametows heranbrachte. Sametow starrte ihn an, rührte sich nicht und zog auch sein Gesicht nicht zurück. Am sonderbarsten fand Sametow später, daß dieses beiderseitige Schweigen eine volle Minute dauerte und daß sie eine volle Minute einander in die Augen sahen.
»Na und? Was ist denn dabei, wenn Sie das gelesen haben?« schrie er plötzlich in ungeduldiger Entrüstung. »Was küm-mert mich das! Was ist denn dabei?«