»Was hast du denn?« rief seine Mutter.

»Wohin gehst du, Rodja?« fragte Dunja betroffen.

»Nur so ... ich muß dringend weg«, antwortete er wirr, als wüßte er nicht recht, was er eigentlich hatte sagen wollen. Aber sein blasses Gesicht drückte düstere Entschlossenheit aus.

»Als ich herkam ... wollte ich sagen ... wollte ich Ihnen, Mama ... und dir, Dunja, sagen, daß es besser ist, wenn wir uns für einige Zeit trennen. Ich fühle mich nicht wohl; ich bin nicht ruhig ... ich werde später kommen, von selber, wenn ... ich kann. Ich werde an euch denken und euch lie-ben ... Laßt mich jetzt! Laßt mich allein! Ich habe das so beschlossen, schon früher ... fest beschlossen ... Was immer mit mir geschehen mag, ob ich zugrunde gehe oder nicht, ich will allein sein. Vergeßt mich. Das ist am besten ... Er-kundigt euch nicht nach mir. Wenn es nötig ist, komme ich selbst zu euch oder ... lasse euch rufen. Vielleicht wird alles wieder aufwärts gehen! ...Jetzt aber, wenn ihr mich liebt, verzichtet auf mich ... sonst müßte ich euch hassen; das fühle ich ... Lebt wohl!«

»O Gott!« rief Pulcheria Alexandrowna.

Mutter und Schwester waren aufs tiefste erschrocken; Ra-sumichin ebenfalls.

»Rodja, Rodja! Versöhne dich mit uns; es soll alles wieder so sein wie früher!« rief die arme Mutter.

Er wandte sich langsam zur Tür und ging langsam aus dem Zimmer. Dunja eilte ihm nach.

»Bruder! Was machst du mit unserer Mutter?« flüsterte sie, und ihre Augen funkelten vor Entrüstung.

Er sah sie starr an.

»Es ist nichts; ich komme wieder; ich werde kommen!« murmelte er halblaut, als wüßte er selbst nicht recht, was er sagen wollte, und verließ den Raum.

»Du gefühlloser, kalter Egoist«, rief ihm Dunja nach.

»Er ist verrückt und nicht gefühllos! Er ist verrückt! Sehen Sie das nicht? Dann sind Sie selbst gefühllos! ...« flüsterte Rasumichin ihr ins Ohr, während er ihr fest die Hand drückte.

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