Konsilium ... Mit einem Wort: von diesem Abend an war Rasumichin den zwei Frauen Sohn und Bruder.
Raskolnikow suchte unverzüglich das Haus am Kanal auf, wo Sonja wohnte. Es war drei Stockwerke hoch, ziemlich alt und grün angestrichen. Er suchte den Hausknecht auf und erhielt von ihm nur eine unklare Auskunft, wo der Schneider Kapernaumow wohne. Nachdem er in der Ecke des Hofes den Eingang zu der schmalen, dunklen Treppe gefunden hatte, stieg er endlich in den zweiten Stock hinauf und ge-langte auf eine Galerie, die auf der Hofseite um das Haus herumlief. Während er im Dunkeln suchte, wo wohl die Ein-gangstür zu Kapernaumows Wohnung sein könnte, wurde plötzlich, drei Schritt von ihm entfernt, eine Tür geöffnet; mechanisch griff er nach der Klinke.
»Wer ist da?« fragte eine Frauenstimme beunruhigt.
»Ich bin's ... ich komme zu Ihnen«, erwiderte Raskolni-kow und trat in die winzige Diele. Dort stand auf einem durchgesessenen Stuhl in einem verbogenen Messingleuchter eine Kerze.
»Sie sind es! Ach du lieber Gott!« rief Sonja leise und stand da wie angewurzelt.
»Wo ist der Eingang? Hier?«
Und Raskolnikow trat, bemüht, Sonja nicht anzusehen, möglichst rasch in das Zimmer.
Gleich darauf folgte ihm Sonja mit der Kerze, stellte sie hin und trat vor ihn, ganz verwirrt, in unaussprechlicher Er-regung und durch seinen unerwarteten Besuch sichtlich er-schreckt. Mit einemmal übergoß eine dunkle Röte ihr blasses Gesicht, und es traten ihr sogar Tränen in die Augen. Ihr war bange, und sie schämte sich, und es war so süß ... Ras-kolnikow wandte sich rasch ab und setzte sich auf einen Stuhl vor den Tisch. Mit einem flüchtigen Blick musterte er das Zimmer.
Es war groß, aber außerordentlich niedrig, das einzige