ein nervöser, schwacher Dreckkerl, dumm und störrisch; du bist fett geworden und kannst dir nichts versagen; und das nenne ich schon Schmutz, weil es geradeswegs zum Schmutz führt. Du hast dich so verhätschelt, daß ich weiß Gott nicht verstehe, wie es dir möglich ist, bei all dem ein guter und sogar opferbereiter Arzt zu sein. Schläft auf Federbetten – ein Arzt! –, und nachts steht er eines Patienten wegen auf! ... So in drei Jahren wirst du für keinen Patienten mehr auf-stehen ... Nun ja, hol's der Teufel, jetzt geht es nicht darum, sondern um folgendes: du übernachtest heute in der Woh-nung der Hauswirtin – ich habe sie mit Mühe und Not dazu überredet! –, und ich schlafe in der Küche; da habt ihr Gele-genheit, näher miteinander bekannt zu werden. Nicht etwa so, wie du glaubst! Gar keine Rede, mein Lieber ...«
»Ich denke auch gar nicht daran.«
»Hier findest du nur Schamhaftigkeit, lieber Freund, Schweigsamkeit, Schüchternheit und erbitterte Keuschheit; und trotz alledem braucht es nur einen Seufzer, und sie schmilzt dahin wie Wachs! Schaff sie mir vom Halse, um aller Teufel willen, die es auf der Welt gibt! Sie ist mir schon sehr lästig ... Ich will es dir lohnen, und wenn es mich den Kopf kostet!«
Sosimow lachte noch heftiger als zuvor.
»Dich hat es aber erwischt! Und was fange ich mit ihr an?«
»Ich versichere dir: es kostet wenig Mühe! Du brauchst bloß dummes Zeug zu schwatzen, was dir gerade einfällt, wenn du nur bei ihr sitzt und redest. Zudem bist du Arzt – kuriere sie von irgendeiner Krankheit. Ich schwöre dir, du wirst es nicht bereuen. In ihrer Wohnung steht ein altes Kla-vier; du weißt ja, daß ich ein wenig klimpere; da kenne ich ein Liedchen, ein echt russisches Lied: ,Und bittre Tränen weine ich ...' Sie liebt solche Lieder; nun, und mit so etwas hat es auch begonnen. Aber du bist ja auf dem Klavier ein Virtuose, ein Meister, ein Rubinstein ... Ich versichere dir, daß du es nicht bereuen wirst ...«
»Hast du ihr irgendwelche Zusagen gemacht, he? Schrift-lich, in aller Form? Hast du ihr vielleicht die Ehe verspro-chen?«
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