ich machte mich meinerseits erbötig, die Ausbildung des jun-gen Mädchens in Französisch und im Tanzen zu fördern. Sie nahmen mein Angebot begeistert an; sie halten es für eine Ehre, und unsere Bekanntschaft dauert noch immer fort ... Wenn Sie wollen, können wir hinfahren, aber nur nicht jetzt.«

»Lassen Sie das doch, lassen Sie doch Ihre ekelhaften, niedrigen Geschichten, Sie lasterhafter, gemeiner, lüsterner Mensch!«

»Der reinste Schiller, unser Schiller, ein Schiller! Où-va-t-elle la vertu se nicher? Wissen Sie, ich werde Ihnen absichtlich noch mehr solche Dinge erzählen, nur um Sie schreien zu hören. Das macht Spaß!«

»Das will ich meinen! Ich komme mir ja selber in diesem Augenblick lächerlich vor!« murmelte Raskolnikow böse.

Swidrigailow lachte aus vollem Halse; schließlich rief er Filipp, bezahlte und stand auf.

»Jetzt bin ich richtig betrunken ... assez causé!« sagte er. »Das macht Spaß!«

»Natürlich haben Sie Spaß daran«, rief Raskolnikow, der sich ebenfalls erhob. »Macht es einem ausgepichten Wüstling etwa keinen Spaß, wenn er sich mit irgendeiner ungeheuer-lichen Absicht dieser Art trägt, von solchen Abenteuern zu erzählen, noch dazu unter solchen Umständen und einem Menschen wie mir? ... Das regt an!«

»Na, wenn dem so ist«, erwiderte Swidrigailow geradezu mit einigem Staunen, während er Raskolnikow musterte, »wenn dem so ist, dann sind Sie ja auch ein recht ordentlicher Zyniker. Jedenfalls haben Sie das richtige Zeug dazu. Sie können vieles verstehen, sehr vieles ... aber Sie können auch viel tun. Nun aber Schluß! Ich bedauere aufrichtig, daß ich mich so wenig mit Ihnen unterhalten konnte, aber Sie laufen mir ja nicht davon ... Warten Sie doch ...«

Swidrigailow verließ das Gasthaus. Raskolnikow folgte ihm. Swidrigailow war übrigens nicht sehr betrunken; der Wein war ihm nur für einen Augenblick zu Kopf gestiegen; sein Rausch verflüchtigte sich von Minute zu Minute. Er hatte irgend etwas vor, eine außerordentlich wichtige Sache,

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