letztenmal mit dir. Wenn ich morgen nicht wiederkomme, wirst du von andern alles erfahren, und dann erinnere dich meiner jetzigen Worte. Und später einmal, nach Jahren viel-leicht, wirst du verstehen, was sie bedeuten. Wenn ich morgen wiederkomme, werde ich dir sagen, wer Lisaweta getötet hat. Leb wohl!«
Sonja zitterte vor Furcht.
»Wissen Sie denn, wer sie umgebracht hat?« fragte sie in eiskaltem Entsetzen und sah ihn verstört an.
»Ich weiß es und werde es dir sagen ... dir, nur dir! Dich habe ich auserwählt. Ich werde nicht kommen, dich um Vergebung zu bitten, sondern um dir die Wahrheit zu sagen. Ich habe dich schon lange auserwählt, um es dir zu sagen; schon damals, als dein Vater von dir sprach und als Lisaweta noch am Leben war, dachte ich daran. Leb wohl. Gib mir nicht die Hand. Auf morgen!«
Er ging. Sonja sah ihm nach wie einem Irren; aber auch sie war gleichsam von Sinnen und fühlte das. Ihr schwindelte. O Gott! Wieso weiß er, wer Lisaweta getötet hat? Was bedeuten seine Worte? Das ist furchtbar! Doch trotzdem kam ihr ein Gedanke nicht in den Kopf. Keineswegs! Auch nicht von ferne! ... Oh, er muß grauenvoll unglücklich sein! ... Er hat Mutter und Schwester verlassen. Weshalb? Was ist geschehen? Und was hat er vor? Was hat er mir gesagt? Er hat mir den Fuß geküßt und gesagt ... gesagt - ja, er hat das klar ausgesprochen –, daß er ohne mich nicht mehr leben könne ... Oh, mein Gott und Herr!
Sonja verbrachte die ganze Nacht in Fieberphantasien. Manchmal sprang sie auf, weinte, rang die Hände, dann ver-sank sie wieder in unruhigen Schlaf, und ihr träumte von Poljetschka, Katerina Iwanowna, Lisaweta, von der Vorle-sung des Evangeliums und von ihm ... von ihm mit seinem blassen Gesicht und den brennenden Augen ... Er küßte ihr die Füße, er weinte ... O Gott!
Hinter der Tür rechter Hand, hinter ebenjener Tür, die zu der Wohnung Gertruda Karlowna Röslichs führte, war eine kleine Stube, die schon lange leerstand und zu den Räumen der Frau Röslich gehörte; Gertruda Karlowna vermietete