hinausgelangt, und sogar Ehrenhaftigkeit kann man finden, obwohl sich hier ganz unmerklich eine Menge Betrüger zu-sammengerottet haben – aber Tüchtigkeit gibt es trotzdem nicht! Bis zu der haben wir's noch weit.«
»Da pflichte ich Ihnen nicht bei«, widersprach Pjotr Petrowitsch mit sichtlichem Genuß. »Natürlich gibt es Schwärmereien und Unzulänglichkeiten, doch müssen wir nachsichtig sein; Schwärmerei bezeugt Leidenschaftlichkeit im Werk und wird von jener falschen äußeren Umgebung her-vorgerufen, in der das Werk noch steckt. Wenn bisher wenig geleistet wurde, so war doch auch noch nicht viel Zeit dazu – von den Mitteln spreche ich gar nicht. Nach meiner persön-lichen Ansicht ist sogar, wenn Sie wollen, einiges geleistet worden: neue, nützliche Gedanken wurden verbreitet; einige neue nützliche literarische Werke finden an Stelle der früheren verträumten, romantischen ihren Absatz; die Literatur nimmt eine reifere Nuance an; viele schädliche Vorurteile sind aus-gerottet worden und werden verlacht ... mit einem Wort, wir haben uns ein für allemal von der Vergangenheit gelöst, und das ist meiner Ansicht nach schon eine Leistung, mein Herr ...«
»Das hat er auswendig gelernt! Er will sich ins rechte Licht setzen«, warf Raskolnikow plötzlich ein.
»Wie bitte?« fragte Pjotr Petrowitsch, der nicht recht ge-hört zu haben meinte, doch er erhielt keine Antwort.
»Das alles trifft zu«, beeilte sich Sosimow zu bemerken.
»Nicht wahr, mein Herr?« sprach Pjotr Petrowitsch weiter und sah Sosimow freundlich an. »Sie müssen selber zugeben«, fuhr er, zu Rasumichin gewandt, doch jetzt schon im Tonfall eines gewissen Triumphes und einer gewissen Überlegenheit, fort – und er hätte beinahe »junger Mann« hinzugefügt –, »daß ein gewisses Gedeihen oder, wie man sagt, ein Fort-schritt vorliegt, und sei es auch nur im Namen der Wissen-schaft und der ökonomischen Wahrheit ...«
»Das ist ein Gemeinplatz!«
»Nein, das ist kein Gemeinplatz, mein Herr! Wenn man mir zum Beispiel bisher gesagt hat: Du sollst lieben! und ich liebte – was kam dabei heraus?« sprach Pjotr Petrowitsch,