Abscheu, den Awdotja Romanowna vor mir hegte, und trotz meiner ständig finsteren, abweisenden Miene begann sie end-lich Mitleid mit mir zu bekommen, jenes Mitleid, das man mit einem verlorenen Menschen hat. Und wenn das Herz eines Mädchens Mitleid empfindet, ist das selbstverständlich für sie das Allergefährlichste. Da möchte sie einen dann unbedingt ,retten', zur Vernunft bringen, zu neuem Leben erwecken, zu edleren Zielen begeistern, zu einem neuen Leben und Wir-ken anspornen – nun, man weiß ja, wie derartige Träume aussehen. Ich erkannte sofort, daß der Vogel von selbst ins Netz fliegen würde, und machte mich meinerseits bereit. Mir scheint, Sie runzeln die Stirn, Rodion Romanytsch, aber Sie haben keinen Grund dazu; wie Sie wissen, war das Ganze nur eine Bagatelle. – Hol's der Teufel, wieviel Wein ich trinke! - Wissen Sie, ich bedauerte immer, gleich von Anfang an, daß das Schicksal Ihre Schwester nicht im zweiten oder drit-ten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zur Welt kommen ließ, irgendwo als Tochter eines regierenden Fürsten oder Statthalters oder Prokonsuls in Kleinasien. Ohne Zweifel wäre sie eine von jenen Frauen gewesen, die den Märtyrertod erduldeten, und sie hätte natürlich gelächelt, wenn man ihr die Brust mit glühenden Zangen verbrannt hätte. Sie hätte dieses Schicksal absichtlich auf sich genommen, und im vier-ten oder fünften Jahrhundert wäre sie in die ägyptische Wüste gezogen und hätte dort dreißig Jahre gelebt und sich von Wurzeln, Ekstasen und Visionen genährt. Sie sehnt sich ja nur nach einem: für irgend jemanden möglichst schnell irgend-eine Qual auf sich zu nehmen; wenn man ihr diese Qual vor-enthält, springt sie einmal vielleicht noch zum Fenster hin-aus. Ich habe etwas von einem gewissen Herrn Rasumichin erzählen hören. Er soll ein vernünftiger Bursche sein — worauf auch sein Name hinweist; offenbar stammt er aus einer Seminaristenfamilie; nun, mag er auf Ihre Schwester nur auf-passen! Mit einem Wort, es scheint, daß ich Awdotja Ro-manowna durchschaut habe, was ich mir zur Ehre anrechne. Doch damals ... Zu Beginn einer Bekanntschaft ist man ja immer, wie Sie wissen, ziemlich leichtfertig und dumm; man betrachtet die Dinge falsch und sieht nichts richtig. Hol's der