ich zu sagen habe ... Ist ihnen die Sache mit der Wohnung bekannt? Ich gehe nicht weg, ehe ich das in Erfahrung gebracht habe! Wozu bin ich denn hergekommen? Aber daß ich jetzt zornig bin, das mag wohl ein Beweis sein! Ach, wie reizbar ich nur bin! Aber vielleicht ist das gut: die Rolle eines Kranken ... Er tastet mich ab. Und wird mich aus dem Gleichgewicht bringen. Warum bin ich bloß hergekommen?
Das alles zuckte ihm blitzartig durch den Kopf.
Porfirij Petrowitsch kam gleich wieder zurück. Er schien plötzlich sehr guter Laune zu sein.
»Mein Lieber, von gestern abend brummt mir heute noch der Kopf ... ich fühle mich ganz zerschlagen«, begann er in völlig verändertem Ton und lachte.
»Nun, war es noch interessant? Ich verließ euch doch ge-rade, als es am spannendsten war. Wer hat gesiegt?«
»Natürlich niemand. Sie stritten über die ewig alten Fra-gen; alle schwebten in den höchsten Regionen.«
»Stell dir nur vor, Rodja, worum gestern die Diskussion ging: gibt es ein Verbrechen oder nicht! Ich habe ihnen gleich gesagt, da könnten sie disputieren, bis sie schwarz würden!«
»Was findest du so erstaunlich daran? Das ist doch ein ganz gewöhnliches soziales Problem«, antwortete Raskolnikow zerstreut.
»Die Frage war nicht so formuliert«, bemerkte Porfirij.
»Nicht ganz so, das ist richtig«, pflichtete ihm Rasumichin bei, wobei er, wie es seine Gewohnheit war, sofort hitzig wurde. »Sieh einmal, Rodion ... hör zu und sag mir deine Meinung. Mir liegt sehr viel daran. Ich bin gestern, als wir miteinander stritten, beinahe aus der Haut gefahren, weil ich die ganze Zeit auf dich wartete; ich hatte ihnen gesagt, daß du kommen würdest ... Zuerst wurde die Ansicht der Sozialisten erörtert: das Verbrechen ist nichts weiter als ein Protest gegen die unnatürlichen sozialen Zustände – Schluß, aus, fertig. Außer dem gibt es keine Ursachen ... keine! ...«
»Das stellst du nicht richtig dar!« rief Porfirij Petrowitsch. Er war sichtlich lebhaft geworden und lachte jeden Augen-blick, sobald er Rasumichin nur ansah, und brachte ihn da-mit in noch größere Hitze.
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