rief sie und sprang auf. »Ich habe doch Kaffee im Hause und biete dir nicht einmal etwas an! Da sieht man, wie weit der Egoismus eines alten Weibes geht. Gleich, gleich!«
»Liebe Mama, lassen Sie das, ich muß gleich wieder gehen. Ich bin doch nicht deshalb gekommen. Bitte hören Sie mich an!«
Pulcheria Alexandrowna trat schüchtern auf ihn zu.
»Liebe Mama, was immer geschehen mag, was Sie von mir auch hören mögen, was immer man über mich auch sprechen mag, werden Sie mich stets so lieben wie jetzt?« fragte er plötzlich aus übervollem Herzen, gleichsam ohne seine Worte zu bedenken und abzuwägen.
»Rodja, Rodja, was hast du? Wie kannst du so etwas nur fragen? Und wer soll zu mir über dich etwas sagen? Ich werde niemandem glauben und jeden davonjagen, wer es auch sei.«
»Ich bin hier, um Ihnen zu versichern, daß ich Sie immer geliebt habe, und ich bin froh, daß wir jetzt allein sind, froh sogar, daß Dunjetschka nicht da ist«, fuhr er in der gleichen Gefühlsaufwallung fort. »Ich bin hier, um Ihnen ganz aufrich-tig zu sagen: wenn auch ein großes Unglück über Sie kommt, so sollen Sie dennoch wissen, daß Ihr Sohn Sie mehr liebt als sich selbst. Sie sollen wissen, daß all das, was Sie von mir dachten – ich wäre grausam und liebte Sie nicht –, nicht zutrifft. Ich werde nie aufhören, Sie zu lieben ... Nun aber genug; ich war der Ansicht, so vorgehen und mit diesen Wor-ten den Anfang machen zu müssen ...«
Pulcheria Alexandrowna umarmte ihn schweigend, drückte ihn an ihre Brust und weinte leise.
»Was du hast, Rodja, das weiß ich nicht«, sagte sie schließ-lich. »Ich dachte die ganze Zeit, wir wären dir einfach lang-weilig geworden, doch jetzt sehe ich, daß dir ein großes Leid bevorsteht und daß du dich deshalb so grämst. Schon lange sehe ich das voraus, Rodja. Verzeih, daß ich das zur Sprache gebracht habe; ich denke immer daran und kann nachts nicht schlafen. Auch deine Schwester hat die vergangene Nacht die ganze Zeit wie im Fieber phantasiert und immerzu von dir gesprochen. Ich hörte einiges, verstand es aber nicht. Den gan-zen Vormittag ging ich umher, als sollte ich zur Hinrichtung
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