solche Menschen ertragen das nicht! Menschen wie sie können so etwas niemals ertragen ... Und er dachte an Sonja.
Vom Fenster kam frische Luft herein. Auf dem Hof war es dämmrig geworden. Raskolnikow nahm pöltzlich seine Mütze und verließ das Haus.
Natürlich konnte er nicht darauf Rücksicht nehmen, daß er krank war, und er wollte es auch nicht. Aber all diese be-ständigen Sorgen und all das tägliche Grauen konnten nicht ohne Folgen an ihm vorübergehen. Und wenn er noch nicht an einem wirklichen Nervenfieber erkrankt war, so viel-leicht gerade deshalb, weil ihn diese unablässige innere Un-ruhe auf den Beinen und bei Bewußtsein erhielt, freilich nur künstlich, nur vorläufig.
Er trieb sich ziellos umher. Die Sonne ging unter. Ein be-sonderer Schmerz quälte ihn in letzter Zeit. Dieser Schmerz hatte nichts Ätzendes, nichts Brennendes, aber etwas Blei-bendes, Ewiges ging von ihm aus; er ahnte hoffnungslose Jahre dieses kalten, tötenden Schmerzes voraus; er fühlte die Ewig-keit »auf einem Klafter Raum« voraus. Gegen Abend begann ihn diese Empfindung meist noch stärker zu bedrücken.
Und angesichts solcher höchst dummer, rein physischer Be-schwerden, die beispielsweise von Sonnenuntergängen abhän-gen, soll man sich auch noch davor hüten, Dummheiten zu machen! Ich wäre imstande, nicht nur zu Sonja, sondern so-gar zu Dunja zu gehen! murmelte er voll Haß.
Er wurde angerufen und blickte sich um; Lebesjatnikow lief auf ihn zu.
»Stellen Sie sich vor, ich war gerade bei Ihnen; ich suchte Sie. Sie werden es nicht für möglich halten: sie hat ihre Absicht wahrgemacht und die Kinder auf die Straße geführt! Sofja Semjonowna und ich haben Mühe gehabt, sie zu finden. Sie schlägt auf eine Pfanne, und die Kinder müssen tanzen. Die Kinder weinen. Sie bleiben an Straßenkreuzungen und vor Kaufläden stehen. Allerlei dummes Volk läuft ihnen nach. Kommen Sie.«
»Und Sonja? ...« fragte Raskolnikow unruhig, während er Lebesjatnikow folgte.
»Sie ist einfach außer sich. Das heißt, nicht Sofja Semjo-