Swidrigailow weniger angstvoll als vielmehr in einem wirren Staunen an. Sie schien selbst nicht zu begreifen, was sie getan hatte und was da vorging!

»Nun ja, ein Fehlschuß! Schießen Sie noch einmal, ich warte«, fuhr Swidrigailow leise und noch immer lächelnd fort, aber sein Lächeln war seltsam düster. »Sonst packe ich Sie, noch ehe Sie den Hahn wieder gespannt haben!«

Dunjetschka schauerte zusammen, spannte den Hahn von neuem und hob den Revolver wieder.

»Lassen Sie mich!« stieß sie verzweifelt hervor. »Ich schwöre Ihnen, ich schieße zum zweitenmal ... Ich töte Sie! ...«

»Nun ja ... auf drei Schritt Entfernung müssen Sie mich ja treffen. Aber wenn Sie mich nicht treffen ... dann ...«

Seine Augen begannen zu funkeln, und er machte noch zwei Schritte. Dunjetschka drückte ab; der Schuß ging nicht los.

»Sie haben nicht richtig geladen. Macht nichts! Sie müssen noch einen Schuß haben. Bringen Sie es in Ordnung, ich warte.«

Er stand zwei Schritt vor ihr, wartete und sah sie in wilder Entschlossenheit aus leidenschaftlich brennenden, gequälten Augen an. Dunja erkannte, daß er lieber sterben würde, als daß er sie freigäbe. Und ... und natürlich mußte sie ihn jetzt niederschießen, aus zwei Schritt Entfernung! ...

Plötzlich warf sie den Revolver weg.

»Du hast ihn weggeworfen?« fragte Swidrigailow verwun-dert und holte tief Atem. Mit einemmal schien etwas von seinem Herzen gewichen zu sein. Vielleicht war es nicht allein die Last der Todesangst, die er in dieser Minute wohl auch kaum empfunden hatte – er war befreit von einem anderen, einem dunkleren, quälenderen Gefühl, das er in seiner gan-zen Tiefe nicht einmal selbst hätte erfassen können.

Er trat auf Dunja zu und legte ihr zart den Arm um die Taille. Sie leistete keinen Widerstand, sondern blickte ihn nur mit flehenden Augen an. Sie zitterte wie Espenlaub. Er wollte etwas sagen, aber seine Lippen zuckten bloß, und er brachte kein Wort hervor.

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