hätte er gar nicht gemerkt, wie unhöflich diese Frage war.

»Und haben Sie früher niemals Gespenster gesehen?«

»O doch, ein einziges Mal in meinem Leben; es ist jetzt sechs Jahre her. Ich hatte da einen Leibeigenen namens Filka; kaum hatten wir ihn zu Grabe getragen, als ich plötzlich ge-dankenlos rief: ,Filka, meine Pfeife!' Da trat er ein und ging ohne Zögern zu dem Regal, auf dem meine Pfeifen standen. Ich saß da und dachte: Das tut er aus Rache, denn knapp vor seinem Tod hatten wir uns heftig gestritten. ,Wie kannst du dich unterstehen', rief ich, ,mit einem zerrissenen Ärmel in mein Zimmer zu kommen – hinaus, du Lümmel!' Da machte er kehrt, ging und kam nicht mehr wieder. Ich habe Marfa Petrowna damals nichts davon erzählt. Ich wollte schon eine Seelenmesse für ihn lesen lassen, aber es war mir dann zu peinlich.«

»Gehen Sie doch zu einem Arzt!«

»Daß ich nicht ganz gesund bin, weiß ich auch ohne Sie, obwohl ich wirklich keine Ahnung habe, was mir fehlt; mei-ner Ansicht nach bin ich aber gewiß fünfmal gesünder als Sie. Ich habe Sie aber nicht gefragt, ob Sie glauben, daß einem Gespenster erscheinen können oder nicht; ich habe Sie gefragt, ob Sie glauben, daß es Gespenster gibt!«

»Nein, das glaube ich um keinen Preis!« brauste Raskolni-kow auf.

»Wie sagt man denn gewöhnlich?« murmelte Swidrigailow, gleichsam für sich selbst, während er zur Seite blickte und den Kopf sinken ließ. »Die Leute sagen: Du bist krank, folglich ist das, was du siehst, einzig und allein nur ein Fieberwahn und existiert nicht. Aber das ist nicht streng logisch gedacht. Ich will zugeben, daß Gespenster nur Kranken erscheinen; aber das beweist ja einzig, daß Gespenster eben niemandem anders als einem Kranken erscheinen können; es beweist nicht, daß es sie nicht gibt.«

»Natürlich gibt es sie nicht!« warf Raskolnikow gereizt ei n.

»Nein? Glauben Sie?« sprach Swidrigailow weiter und blickte ihn gelassen an. »Wie aber, wenn man so argumen-

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