verstanden hat. Vielleicht tat ich nicht gut daran, zu ihr zu gehen. Ich weiß nicht einmal mehr, wozu ich hingegangen bin. Ich bin ein gemeiner Mensch, Dunja.«
»Ein gemeiner Mensch, aber dennoch bereit, dein Leid auf dich zu nehmen! Das wirst du doch?«
»Ja. Jetzt gleich. Um dieser Schande zu entrinnen, wollte ich ins Wasser gehen, Dunja, doch als ich bereits am Wasser stand, dachte ich, ich dürfe, wenn ich mich schon bisher für stark gehalten hätte, jetzt auch die Schande nicht fürchten«, sagte er. »Das ist Stolz, Dunja.«
»Ja, Rodja, das ist Stolz.«
Es war, als blitzte in seinen erloschenen Augen ein Feuer auf; es schien ihm angenehm zu sein, daß er noch stolz sein konnte.
»Du glaubst doch nicht, Schwester, daß ich einfach Angst vor dem Wasser gehabt hätte?« fragte er und sah ihr mit einem häßlichen Lächeln ins Gesicht.
»Ach, Rodja, laß das!« rief Dunja bitter.
Etwa zwei Minuten lang schwiegen beide. Er saß mit ge-senktem Kopf da und starrte zu Boden; Dunjetschka stand am anderen Ende des Tisches und blickte ihn voll Qual an. Plötzlich stand er auf.
»Es wird spät, es ist Zeit! Ich gehe jetzt, um mich zu stel-len. Aber ich weiß nicht, weshalb ich das tue.«
Große Tränen rollten ihr über die Wangen.
»Du weinst, Schwester – aber kannst du mir noch die Hand reichen?«
»Zweifelst du daran?«
Sie umarmte ihn innig.
»Wenn du jetzt in dein Leid gehst, sühnst du damit nicht schon die Hälfte deines Verbrechens?« fragte sie, während sie ihn fest an sich drückte und küßte.
»Verbrechen? Welches Verbrechen?« schrie er in einem plötzlichen Wutanfall. »Daß ich eine widerliche, schädliche Laus getötet habe, eine alte Wucherin, die niemandem nützte und für deren Ermordung einem vierzig Sünden vergeben werden müßten, ein Weib, das den Armen das Mark aussog ... das soll ein Verbrechen sein? Ich denke nicht daran, das